Den folgenden Text habe ich im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 geschrieben. Daher ist er darauf zugeschnitten.
Ich blogge, also bin ich – in diesem Fall Mike Nagler, laut LVZ „Südvorstadtrebell“ , und seit einiger Zeit vollen Herzens mit der Absicht dabei, ein wenig Rebellion in den altehrwürdigen Deutschen Bundestag zu tragen. Will sagen: ich trete im “Superwahljahr” 2009 im Leipziger Süden als Direktkandidat an. Parteilos, aber mit Unterstützung der Partei DIE LINKE. Womit ich auch schon beim Thema dieses Blogs wäre: Politik oder Wie ein Bundestagskandidat die Welt sieht.
Ich will allerdings damit beginnen, wie ich sie nicht sehe: Bundestagskandidat zu sein bedeutet für mich nicht, um jeden Preis und mit allen Mittel nach Berlin zu kommen, um dort vier Jahre lang ein bisschen mitzumachen, ab und an mal in „meinem“ Leipziger Wahlkreis vorbeizuschauen, ein paar schöne Statements und warme Worte da zu lassen und darauf zu bauen, dass man mich nach Ablauf der Wahlperiode wieder wählt. Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: So wichtig mir Politik auch ist – ein Berufspolitiker, wie man ihn heute zur Genüge kennt, bin ich nicht – und will ich auch nicht werden. Aber was will ich dann?
Zunächst einmal will ich mich einmischen, so wie ich es in den vergangenen Jahren bereits an ganz verschiedenen Stellen getan habe: etwa in der Leipziger Hochschulpolitik, beim Bürgerbegehren gegen den Verkauf der kommunalen Unternehmen oder bei Attac, wo ich schon seit längerem in der Bundes-AG Finanzmarkt & Steuern mitarbeite. „Mitarbeit“ ist dabei ein wichtiges Stichwort, denn eines steht fest: Alleine geht politisch gar nichts. Zum einen, weil man als Bundestagskandidat die Interessen der Menschen vor Ort zu vertreten hat. Und das bedeutet – trotz aller wichtigen und notwendigen Einmischung in allgemeine politische Debatten und Auseinandersetzungen – zunächst einmal, die Probleme der Menschen vor Ort wahr- und ernst zu nehmen, um auf dieser Basis nach ausgewogenen und nachhaltigen Lösungen zu suchen. Dies zum einen. Zum anderen ist Politik für mich auch deshalb keine Sache von Einzelkämpfern (oder sollte es zumindest nicht sein), weil schon ein „einfacher“ Wahlkampf nicht allein zu bewältigen ist. In meinem Fall hilft mir ein recht bunter Kreis an Unterstützern, doch wäre es schön, wenn noch mehr Menschen meine politische Arbeit, wie meine Kandidatur unterstützen oder – und das ist mir genau so wichtig – Kritik formulieren, Hinweise geben und Anregungen vorbringen würden. Denn Politiker sind nicht nur keine Einzelkämpfer, sie sind auch nicht allwissend. Mag sein, dass manche, vielleicht sogar viele Politiker sich derart präsentieren, doch ist es weder mein Ansatz noch mein Ziel, ihnen darin zu folgen.
Politisch aktiv zu sein heißt für mich auch und gerade Widersprüche zu artikulieren, Entscheidungen transparent und Vorgänge nachvollziehbar zu machen. Kurzum: es geht mir darum, die Prozesshaftigkeit – und das heißt letztendlich: die Veränderbarkeit politischen Denkens und Handelns offen zu legen. In meinem Wahlkampf habe ich damit bereits begonnen. So können und sollen die Beiträge in diesem Blog kommentiert, kritisiert oder einfach weiter verlinkt werden. Ein Wiki-System lädt zusätzlich zum Mitmachen und zur inhaltlichen Arbeit ein. Und wer sich mit mir und meiner politischen Arbeit außerhalb der digitalen Welt auseinandersetzen will, der ist jederzeit herzlich eingeladen, zu einer der vielen Veranstaltungen zu kommen. Ab August wird es in den einzelnen Ortsteilen des Wahlbezirks Leipzig-Süd zudem Wahl-Infostände geben, wo man sich informieren, diskutieren oder einfach miteinander ins Gespräch kommen kann. Denn zwar lebe ich schon seit nunmehr fast zehn Jahren in Leipzig und fühle mich der Stadt vielfältig verbunden, doch ist es mir wichtig, „meinen“ Wahlkreis und die darin lebenden Bürgerinnen und Bürger möglichst gut zu kennen. Nur auf einer solch gemeinsamen Basis lässt sich, so glaube ich, eine Arbeit leisten, die über das, was man heute in aller Regel unter „Politik“ versteht, deutlich hinaus geht und nachhaltige Verbesserungen bringt, anstatt sich in einer Abfolge von symbolischen Aktionen und medienwirksamen Inszenierungen zu ergiessen.
Politisch aktiv zu sein heißt für mich deshalb auch, nicht nur politisch zu denken und zu handeln. Denn die Welt, in der wir leben, ist nicht nur eine politische, so sehr uns das politische Geschehen auch Tag für Tag prägt. Ob es jeden von uns tagtäglich beschäftigt, kann ich freilich nicht sagen. Drei Dinge scheinen mir jedoch sicher zu sein. Erstens: Niemand wird als politischer Mensch geboren. Auch ich nicht. In meinem Fall war es ein Aufenthalt in Südamerika, der mich dazu gebracht hat, mich politisch zu engagieren. Zum zweiten besteht mein Leben und mein Engagement – wie bei vielen anderen auch – nicht nur aus Politik. Gerade in Leipzig gibt es noch vieles mehr zu entdecken, zu sehen oder, ganz einfach, zu tun. Zum dritten, und damit zurück zur anstehenden Bundestagswahl, weiß ich, dass es viele Nichtwählerinnen und Nichtwähler gibt. Und ich bin mir auch sicher, dass es aus deren Perspektive eine Reihe von Gründen gibt, auch dieses Mal nicht wählen zu gehen. Diese Gründe gilt es ernst zu nehmen. Das heißt aber vor allem, dass man sich mit ihnen auseinandersetzen muss, sowohl von seiten deren, die – wie ich – als Kandidat gewählt werden möchten, als auch seitens derer, die zu dieser Wahl gar nicht erst gehen wollen. Es wird in den Monaten bis zur Bundestagswahl Ende September ausreichend Gelegenheit geben, über dieses wie über alle weiteren Themen zu diskutieren, wobei meine inhaltlichen Schwerpunkte vor allem der Erhalt von öffentlichem und kommunalem Eigentum, die Bildungs- und Sozialpolitik sowie die (derzeitige) Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise betreffen, mit deren Hintergründen ich mich schon seit einigen Jahren beschäftige und – gemeinsam mit anderen – eine Reihe von Lösungsansätzen erarbeitet habe [Attac, Netzwerk Steuergerechtigkeit, DaVor]. Bei alldem aber ist und bleibt es mein vordringlichstes Ziel, die Bürgerinnen und Bürger möglichst umfassend zu informieren, sie in die Diskussions- und Entscheidungsfindungsprozesse mit einzubeziehen und auf diesem Wege zu einer Politik zu gelangen, die für die Menschen da ist – und nicht umgekehrt.
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Für den, den es interessiert – in einer Auswahl – mein Ich in ein paar Zahlen und Fakten:
* seit 2010 Mitglied im Koordinierungskreis von Attac Deutschland
* seit 2010 Mitglied im Hochschulrat der HTWK Leipzig
* 2009, Mitinitiator des Bündnis gegen Atomkraft Leipzig
* 2009, parteiloser Direktkandidat der Partei Die Linke im Bundestagswahlkreis 154, Leipzig II. (das Wahlergebnis vom Sept. 2009 hier.)
* seit 2009, Mitglied des Institiuts für Bauwirtschaft der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK).
* seit 2008, interdisziplinäre Promotion bei Prof. Michael Hartmann (TU Darmstadt, Soziologie), Prof. Helmuth Berking (TU Darmstadt, Soziologie) und Prof. Bernd Reichelt (HTWK Leipzig, Bauwirtschaft), Arbeitstitel: “Der Einfluss lokaler Eliten auf die Privatisierung kommunaler Leistungen – Vergleichende Analyse eines Spannungsfeldes, dargestellt am Beispiel deutscher Großstädte”.
* 2007/2008 Mitinitiator des Leipziger Bürgerbegehrens zum Erhalt der kommunalen Unternehmen. (für Statistikfans hier der Ergebnisbericht des Bürgerentscheids)
* 2007, Abschluss als Master of Science im Bauingenieurwesen, Abschlussarbeit: Ursachen und Auswirkungen von Entstaatlichung öffentlicher Einrichtungen auf die Stadtentwicklung im Kontext einer gesamtgesellschaftspolitischen Entwicklung (am Beispiel der Privatisierung der WOBA Dresden).
* 2006/2007 Mitorganisation der Anti-G8-Proteste in Rostock und Heiligendamm.
* 2007 Mitinitiator einer Kampagne zu Alternativen in der Stadtentwicklung im Vorfeld und anlässlich des EU Bauministertreffens in Leipzig.
* seit 2006 APRIL-Netzwerk Leipzig.
* seit 2005 Mitglied in der bundesweiten AG Finanzmarkt und Steuern von Attac Deutschland.
* 2005/2006 Mitglied des akademischen Senats der HTWK Leipzig.
* 2004 Abschluss des Architekturstudiums als Diplomingenieur.
* 2003/2004 Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften.
* 2000 – 2004 Mitglied des StudentenRat der HTWK Leipzig.
* 2002/2003 Auslandsaufenthalt in Indien, Arbeit als Architekt im Stadtplanungsbüro Aurovilles Future, in Auroville, Tamil Nadu, Indien.
* 2000 – 2007 Studium der Architektur und des Bauingenieurwesens an der HTWK Leipzig.
* 1999/2000 Aufenthalt in Bolivien.
* 1997/1998 Fachabitur
* 1995 – 1997 Industrieschule Chemnitz, Ausbildung zum Staatlich geprüften technischen Assistenten für Informatik und Elektrotechnik.
* Geboren am 10.12.1978 in Karl-Marx-Stadt, jetzt Chemnitz.
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Ehrenamtliches Engagement / Mitgliedschaften u.a.:
Acampada Leipzig – Echte Demokratie Jetzt!
Bündnis gegen Atomkraft Leipzig
GlobaLE Leipzig – globalisierungskritisches Filmfest
Unisolar Leipzig e.V. (aufgelöst im Frühjahr 2011)

































