Bürger- oder Börsenbahn: Wohin führt die Reise?

Ich habe für diese Woche eine Diskussionrunde zur aktuellen Lage und Zukunft der Bahn organisiert: Am kommenden Dienstag, den 23.06. um 19 Uhr diskutiert eine Expertenrunde in der Aula der Leipziger Volkshochschule über die “Zukunft unserer Bahn”. Vor dem Hintergrund der trotz des abgesagten Börsenganges fortdauernden Privatsierungsbestrebungen der Bahn soll, zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern, der Frage nachgegangen werden, wohin die weitere Reise geht.
Aus meiner Sicht haben die Privatisierungs- und Renditeabsichten der Bahnoberen in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass das eigentlichen Ziel, nämlich die Schaffung einer nachhaltigen, ökologisch sinnvollen und für möglichst viele Menschen bezahl- und nutzbaren Transportmöglichkeit völlig in den Hintergrund geteten ist. Während man in der Chefetage der Deutschen Bahn von Milliardeneinnahmen und großen Gewinnen träumt, werden immer mehr Streckenkilometer stillgelegt, Fahrtakte ausgedünnt und Bahnhofsgebäude samt angrenzender Gebiete dem Verfall preisgegeben. Der gescheiterte Börsengang gibt uns jetzt die Chance, die vorhandenen Konzepte für eine wirkliche Bürgerbahn breit zu diskutieren, sie weiter zu entwickeln und für ihre Umsetzung zu werben.

Die Veranstaltung in der Volkshochschule wird dazu ausreichend Gegelenheit bieten.

Auf dem Podium sitzen: Dr. Tim Engartner von der Universität Köln, Hans-Gerd Öfinger von der Initiative “Bahn von unten” sowie Carl Waßmuth vom “Bündnis Bahn für Alle”. Moderiert wird die Veranstaltung von Bernhard Krabiell.

Ziel des von Waßmuth vertretenen, insgesamt 17 Organisationen vereinenden Bündnisses ist es, durch lokale und bundesweite Aktionen gegen die Privatisierung der Deutschen Bahn aktiv zu werden und eine wirkliche Wende in der Verkehrspolitik einzuleiten.

Die Initiative “Bahn von unten” ist aus engagierten Bahn-Gewerkschaftern hervorgegangen. Sie spricht sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 klar gegen die Privatisierung und den Börsengang der Bahn aus und genießt bei den Beschäftigten der Bahn ein hohes Ansehen.

Tim Engarter hat in seiner im vergangenen Jahr erschienenen und mit dem Preis der Gregor Louisoder Umweltstiftung ausgezeichneten Dissertation “Die Privatisierung der
Deutschen Bahn” kritisch unter die Lupe genommen. Engartner zeigt in seiner Studie eindringlich, dass eine private, an der Börse notierte Bahn Ziele verfolgt, die dem sozialen wie ökologischen Gemeinwohl diametral entgegenstehen.

Die Privatisierung der Bahn wie ihr bis auf Weiteres abgesagter Börsengang sind Teil eines Prozesses, der sich in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft vollzieht. Im Kern geht es darum, das Verhältnis einer am öffentlichen Gemeinwohl orientierten Politik auf der einen und der neoliberalen Wirtschaftsideologie auf der anderen Seite zu Gunsten letzterer neu zu bestimmen. Inzwischen wird jedoch an immer mehr Orten deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger diesen Weg nicht länger mitgehen wollen. Die Veranstaltung soll dazu beitragen, Argumente für eine Umkehr der derzeitigen Wirtschaftspolitik im Allgemeinen und der Verkehrspolitik im Besonderen zusammenzutragen und diese gemeinsam zu diskutieren.

Es wäre schön wenn ihr mitdiskutiert!

 

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Eine Antwort

  1. Hey Mike!

    Ich werde Dich in jedem Fall wählen – der Leipziger Süden hat nur einen Kandidaten, der verläßlich gegen Sozialabbau, Bildungskürzungen und Privatisierung kämpft – und das ist sicher nicht Mr. Bahnprivatisierung Wolfgang Tiefensee!

    Weiter so!

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