160.000 demonstrieren für den sofortigen Atomausstieg

Bei 21 Großdemonstrationen in der ganzen Bundesrepublik haben am heutigen 28. Mai mehr als 160.000 Menschen den sofortigen Atomausstieg gefordert. Zu den Demonstrationen hatte ein großes Bündnis aus örtlichen und bundesweiten Anti-Atomkraft-Initiativen und Verbänden aufgerufen.

Die Teilnehmerzahlen in den einzelnen Städten: Berlin: 25.000, Hamburg: 20.000, Frankfurt am Main: über 8000, Kiel: 3500, Bremen: 3900, Hannover: 12000, Göttingen: 3500, München: 25000, Fürth 8000, Landshut: 8500, Mannheim: 4100, Freiburg: 10.000, Ulm: 4000, Bonn: 7500, Münster: 7000, Essen: 3500, Mainz: 2500, Dresden: 3200, Magdeburg: 750, Güstrow: 700, Erfurt: 1000

Erstmals in der Geschichte der Anti-Atombewegung demonstrierten heute unter dem Motto “Atomkraft -Schluss!” gleichzeitig in über 20 Städten insgesamt 160.000 Menschen für ein schnelles Ende der Atomkraft. In der Hauptstadt zogen 25000 Atomkraftgegner vor die CDU-Zentrale und forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, ohne jede Verzögerung das Ende der Atomenergienutzung in Deutschland durchzusetzen. Zu den Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main, Kiel, Bremen, Hannover, Göttingen, München, Fürth, Landshut, Mannheim, Freiburg, Ulm, Bonn, Münster, Essen, Mainz, Dresden, Magdeburg, Güstrow und Erfurt hatten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt, Attac, Campact, Robin Wood, contrAtom, die NaturFreunde Deutschland und die IG Metall aufgerufen.

Der bundesweite Protest sei ein deutliches Zeichen dafür, dass der Großteil der Bevölkerung die Atomenergie strikt ablehne und eine schnelle Energiewende fordere, erklärten die Veranstalter. Diesen Willen dürfe die Bundesregierung bei ihren bevorstehenden Entscheidungen zum Atomausstieg nicht ignorieren. Am Ende des AKW-Moratoriums müsse das sofortige Ende der Atomkraft ohne Wenn und Aber stehen. Der Gau von Fukushima und die Tatsache, dass auch die deutsche Reaktorsicherheitskommission kein einziges AKW hierzulande für sicher halte, ließen keine andere Entscheidung zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gehe es scheinbar nicht mehr um die angekündigte Neubewertung des atomaren Risikos nach Fukushima und einen schnellstmöglichen Atomausstieg, sondern um Frieden in der Koalition. Eine Verzögerung des dringend und schnellstmöglich erforderlichen Atomausstiegs werde nicht hingenommen, erklärten die Veranstalter. Man werde in den kommenden Wochen weiter für die sofortige Abschaltung jeder einzelnen Atomanlage kämpfen. Für Pfingsten seien von etlichen Organisationen und Gruppen bereits große Blockadeaktionen an mehreren Atomkraftwerken in Planung.

Die Redebeiträge:

Auftaktkundgebung (Schlesischer Platz/Bahnhof Neustadt)
Eckhart Lucke (BUND)
Ulrike La Gros (Bündnis gegen Atomkraft Leipzig)
Iris Kloppich (Vorsitzend DGB Sachsen)

Zwischenkundgebung (Neumarkt/Frauenkirche)
Tilmann Schwenke (stellv. Bundesvorsitzender Naturfreunde Deutschland)
Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen)
Bernd Bauks, Geschäftsführer Evangelischer Kirchentag

Abschlusskundgebung (Theaterplatz/Semperoper)
Mike Nagler (Attac)
Sara-Ann Lampmann (Robin Wood)
Dietrich Papsch (Energieexerte und Autor)

Hier mein Redebeitrag von heute auf der Abschlusskundgebung in Dresden:

Redebeitrag Mike Nagler (attac Dtl.) auf Anti-AKW-Demo in Dresden, 28.05.2011.

Liebe Freundinnen und Freunde,

Wir setzen heute ein deutliches Zeichen, dass wir nach dem Auslaufen des AKW-Moratoriums von der Bundesregierung konsequentes Handeln erwarten. [—]

Wir demonstrieren heute – einen Tag bevor sich die Spitzen der Koalition über die Zukunft der Atomkraftwerke verständigen wollen.
Denn wir wollen deutlich machen:
Das, was die Koalition bisher plant, ist kein konsequenter Atomausstieg, sondern der Weiterbetrieb gefährlicher Reaktoren für mehr als ein Jahrzehnt.
Und damit sind wir nicht einverstanden! [—]

Auch wenn die Kanzlerin derzeit so tut als mache sie eine Kehrtwende! – Auch wenn Sie sich von den Medien beim G8 Gipfel als Atomkraftgegnerin präsentieren lässt – So vertritt sie am Ende doch die Interessen der großen Energiekonzerne!

Wir sind aber nicht bereit, dieses Risiko hinzunehmen, nur damit RWE, EON und Co weiter Milliardengewinne auf unsere Kosten machen können! [—]

Die Konzerne werden flankiert von Privatbanken, die mit Milliardenkrediten und Anleihen an der strahlenden Katastrophe mitverdienen.
Die Deutsche Bank und die Commerzbank stecken mit vielen Milliarden im Atomgeschäft.
Die Deutsche Bank finanzierte u.a. den japanischen Atomkonzern Tepco und die Postbankkunden halten Josef Ackermann unfreiwillig den Rücken frei!

Auch gegen diese Strukturen gehen wir auf die Straße!

Am Donnerstag wurde mit der Blockade der Hauptversammlung der Deutschen Bank der Startschuss für die  Bankwechselkampagne von Urgewald und Attac gesetzt!
Informiert Euch wie radioaktiv eure Bank eigentlich ist und zieht daraus die Konsequenzen!

Atomkraft ist nicht nur gefährlich – Atomkraft ist auch unglaublich teuer!
Keine andere Technologie wurde so hoch subventioniert.
Die großen Konzerne haben bisher weit über 200 Milliarden Euro an staatlichen Subventionen erhalten.
Weitere 100 Milliarden sollen für die Lagerung des Atommülls folgen.

Trotzdem schütten die Energiekonzerne Milliarden an ihre Aktionäre aus!
Ein einziges altes AKW spühlt täglich 1,5 Millionen Euro in die Kassen der Betreiber!

Würde man dann noch die Versicherungskosten für die AKWs einrechnen um sie für den Fall eines Super-GAUs abzusichern, dann klärt sich sehr schnell, was verantwortbar ist und was nicht!

Wenn die Risiken jetzt neu bewertet werden, dann muss das auch Konsequenzen haben!

Und die einzig richtige Konsequenz muss sein: Alle Reaktoren sofort stilllegen – denn bei keinem Einzigen ist die Kernschmelze völlig auszuschließen!
Alle AKWs müssen vom Netz genommen werden!
[—]

Der gesellschaftliche Konflikt um die Atomkraft lässt sich nicht ohne die Frage nach den Eigentumsverhältnissen lösen.
Energieversorgung ist Daseinsvorsorge.

Darum fordern wir: Die Energieversorgung muss vergesellschaftet werden!

Wir fordern: Die Gewinne müssen direkt in die Erneuerbaren und in Energieeffizienzmaßnahmen fließen! [—]

Wir fordern: Die Konzerne müssen für den Rückbau der Kraftwerke und die Beseitigung des radioaktiven Mülls aufkommen!
Und sie müssen für Schäden durch Unfälle vollumfänglich haftbar gemacht werden! [—]

Das Fenster, eine konsequente und schnelle Energiewende einzuleiten, steht JETZT weit offen! [—]

Für Konzerne sieht das Grundgesetz in Artikel 15 bei sozialwidrigem Verhalten die Vergesellschaftung vor.

Dafür ist keine Vereinbarung oder ein weiterer sogenannter „Konsens“ mit der Atomwirtschaft nötig.

Wenn der politische Wille dafür da ist, kann das bereits heute per Gesetz erfolgen! [—]

Eine Politik die auf eine moderne Energieversorgung aus regenerativen Energien setzt – die die Lasten eben nicht zukünftigen Generationen aufbürden will – kommt an der Eigentumsfrage nicht vorbei!
Die Vergesellschaftung der Energiekonzerne ist an der Zeit!
Und zwar ohne jede Entschädigung! [—]

Vergesellschaftung nach dem Grundgesetz bedeutet mehr als nur Enteignung.
Sie bedeutet Überführung in Gemeinwirtschaft:
In Stadtwerke und Genossenschaften – für eine regionale Versorgung mit 100 Prozent Erneuerbaren Energien, sozialen Tarifen und einer direkten demokratischen Kontrolle durch die Menschen vor Ort! [—]

Keine unserer Forderungen ist utopisch!

Im Gegenteil! Sie rücken lediglich gerade, was seit langem unerträglich schief läuft.
Sie beenden die Bevorteilung der Energieriesen!

Die Anti-Atom-Bewegung hat fast gesiegt.
Zumindest in Deutschland rückt das Ende der Atomkraft in greifbare Nähe! [—]

Aber einen echten Atomausstieg wird es nur geben, wenn wir auch weiterhin Druck machen!

Darum werden wir auch weiter AKWs und Lobbytreffen der Atomkonzerne blockieren und Castortransporte aufhalten!

Nur dieser Druck kann den Einfluss der Energiekonzerne auf die parlamentarische Politik zurückdrängen!

Denn egal ob Schwarz-Gelb, Rot-Grün, Schwarz-Rot oder jetzt wieder Schwarz-Gelb. Es gab bisher keine einzige Regierung in Deutschland die eine konsequente Politik des Ausstiegs aus der Kernkraft betrieben hat.

Die Konsequenz haben wir erkannt. Wir vertrauen vor allem uns – den Initiativen und Netzwerken.

Wir sind misstrauisch, gegenüber DEN Parteien, die ihre Ideologie und ihre Herrschaftsstrategie zu oft leider eher an Legislaturperioden ableiten als an dem was menschlich und politisch sinnvoll ist. [—]

Der Sachverstand sitzt in Umweltverbänden und Initiativen, nicht in den Büros, der von der Atomwirtschaft bezahlten Lobbyisten, die die Gesetzentwürfe und neuen “Konsense” ausarbeiten. [—]

Auch darum sind wir heute hier in Dresden und demonstrieren mit Zigtausenden in ganz Deutschland für ein Ende der Atomkraft! – Für eine Demokratisierung der Energiewirtschaft!

Und darum werden wir auch in Zukunft weiterhin deutliche Zeichen setzen — für eine sichere, atomstromfreie Zukunft!

Hier ein paar Bilder aus Dresden. Leider in schlechter Qualität, da einige Einstellungen an der Seite nicht funktionieren und ich noch nicht rausgefunden habe wie sie zu reparieren wären. Hier gibts noch ein paar auf Flickr.

Anti-Atom-Demonstration in Dresden am 28.05.2011 - Atomkraft Schluss!

Redebeitrag Mike Nagler (attac Dtl. + BgAL)

Redebeitrag Sara-Ann Lampmann (Robin Wood)

Über 160.000 Menschen demonstrieren bundesweit am 28.5.2011 für den Ausstieg aus der Kernenergie.

Unser Leipziger Bündnis ist mit mehreren hundert Menschen per Zug angereist.

Redebeitrag Iris Kloppich (DGB Sachsen)

Redebeitrag Dietrich Papsch

Redebeitrag Ulrike La Gros (Bündnis gegen Atomkraft Leipzig, BgAL)

Atomkartelle zerschlagen!

Die Demonstrationen wurden von einem breiten und parteiübergreifenden Bündnis getragen.

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