Endlich wieder Wehrkundeunterricht an Schulen

Der sächsische Kultusminister Roland Wöller und Generalmajor Heinrich Geppert vom Wehrbereichskommando (WBK) III haben heute die Kooperationsvereinbarung für eine Zusammenarbeit an sächsischen Schulen unterzeichnet. Hier die Pressemeldung des Friedensweg Leipzig e.V. dazu:

Endlich wieder Wehrkundeunterricht an Schulen

Rechtzeitig zum Fest des Friedens unterzeichnen am 21. Dezember der mutmaßlich ungediente sächsische Kultusminister Prof. Roland Wöller und der sicherlich langgediente Generalmajor Heinrich Geppert vom Wehrbereichskommando III die erste Kooperationsvereinbarung zwischen einem Kultusministerium und der Bundeswehr in Mitteldeutschland. Zwanzig Jahre nach der Einheit steht Deutschland nicht nur im Krieg für „den ungehinderten Zugang zu Rohstoffen und Märkten in aller Welt“ (Weißbuch der Bundeswehr).

Mit der „Bundeswehr zum Anfassen“ haben Wehrdienstberater und Jugendoffiziere jetzt einen noch ungehinderteren Zugang zu den Köpfen der Heranwachsenden. Bisher schon obrigkeitshörige Lehrerinnen und Lehrer werden es sich dank höchstdienstherrlicher Absolution sicher nicht entgehen lassen, den Kanonenfutter- Rekrutierern die Klassenraumtüren weit zu öffnen. Natürlich einzig zum Zweck, dass die Rattenfänger in Uniform „ vor dem Hintergrund der immer komplizierter werdenden Welt  Antworten und Zusammenhänge nationaler und internationaler Sicherheitspolitik im Unterricht verständlich und lebensnah“ erklären können. Und die Erde ist eine Scheibe.

Wir hoffen, dass den Werbern der Bundeswehr dank zivilgesellschaftlichen Engagements eine einseitige und kritiklose Indoktrination sächsischer Schülerinnen und Schüler erschwert und phantasievoll und gewaltfrei zur „Wehrdienst“verweigerung angeregt wird. Aufgerufen sind Schüler, Eltern, Lehrer, Gewerkschaftler und andere Friedensbewegte. Möglichkeiten gibt es viele: Proteste von Erziehungsberechtigten und engagierten Pädagogen, das Schaffen von Möglichkeiten zu ausgewogener Information, Ablehnungsbeschlüsse von Schulkonferenzen, kritisches Hinterfragen oder im „Ernstfall“ entschuldigtes Fehlen.

Der weiteren Militarisierung der Gesellschaft muss Einhalt geboten werden. Die Bundeswehr hat an sächsischen Schulen nichts verloren und nichts zu suchen. In Plastiksäcken aus Afghanistan oder von anderen weltweiten Einsatzgebieten heimkehrende Ex-Oberschüler und Gymnasiasten heben weder das Bildungsniveau Sachsens noch verbessern sie die Ergebnisse der PISA- Studien. Stellt euch vor es ist Krieg und keiner geht hin.

Schulfrei für die Bundeswehr!

Erziehung zum Frieden statt Werben fürs Sterben!

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Auch die GEW und die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) hat hierzu eine Pressemeldung veröffentlicht:

Den Bock zum Gärtner machen
Pressemitteilung der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS)

Landesstudierendenvertretung kritisiert Auftritt der Bundeswehr an Schulen
Am heutigen Tag hat das Sächsische Kultusministerium (SMK) bekannt gegeben, dass es einen Kooperationsvertrag mit der Bundeswehr abgeschlossen habe, der unter anderem vorsieht, dass Bundeswehrangehörige in Schulen gehen, um dort über aktuelle sicherheitspolitische Themen und die Notwendigkeit der aktuellen Auslandseinsätze der Bundeswehr zu sprechen.

Anni Fischer, Sprecherin der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS), erklärt dazu: „Nachdem bereits an vielen Sächsischen Hochschulen nicht nur Forschungskooperationen mit der Bundeswehr bestehen, sondern auch gemeinsam sehr fragwürdige Lehre betrieben wird, wurde nun seitens des SMK ein Freifahrtsschein für die nicht reflektierte Arbeit der Jugendoffiziere ausgestellt. Es ist nun noch unwahrscheinlicher, dass von dem allseits propagierten Positivismus der Bundeswehr abgerückt wird und tatsächlich kritische Diskurse mit den Schülerinnen und Schülern angestrebt werden, wie sich Wöller erhofft. Er scheint auch vergessen zu haben, dass die Bundeswehr kein Mandat für politische Bildung außerhalb ihrer eigenen Reihen hat“.

Michael Moschke, Sprecher der KSS, ergänzt: „Es ist nicht zu vermitteln, warum ausgerechnet die Bundeswehr als ein neutraler Analyst aktueller sicherheitspolitischer Fragen angepriesen wird. Aufgrund der eigenen personellen und strukturellen Verwicklung in viele dieser Fragen, kann die Bundeswehr diese Aufgabe gar nicht erfüllen. Will man – die in Schulen unbedingt gebotene – politische Neutralität bewahren, so gibt es hierfür weitaus bessere Ansprechpartner, so zum Beispiel die Zentrale für politische Bildung“.

Die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften verurteilt jede Form der militärpolitischen Einflussnahme auf den Schulunterricht und hofft, dass dieses – noch freiwillige – Angebot von keiner Schule genutzt werden wird.

An dieser Stelle der Verweis auf ein gutes Fact-Sheet der Deutschen Friedensgesellschaft und der Informationsstelle Militarisierung zum Thema: „Bundeswehr und Schulen“.

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