GEW macht sich für Entfristungsoffensive an Hochschulen stark – Neue Personalbedarfsstudie: 30.000 Wissenschaftler müssen bis 2025 eingestellt werden

Ein Thema, dass auch in Sachsen und an den Leipziger Hochschulen ein drängendes ist: Am vergangenen Freitag wurde auf einer Konferenz in Berlin ein Gutachten von Silke Gülker vorgestellt. Die Kernbotschaft: Es gibt nachhaltigen Personalbedarf an den Hochschulen. Die Hochschulpolitik der Sächsischen Landesregierung zielt allerdings genau in die entgegengesetzte Richtung. Nach Plänen der Regierung soll der Kürzungskurs der vergangenen Jahre fortgesetzt und sogar beschleunigt werden. Bis zum Jahr 2020 sollen weitere über 1000 Stellen an den sächsischen Hochschulen gestrichen werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setzt sich für eine Entfristungsoffensive für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Hochschulen ein. Diese Schlussfolgerung zogen Vertreter der Bildungsgewerkschaft aus einer neuen Studie der Berliner Politikwissenschaftlerin Silke Gülker vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. „Auf die Hochschulen kommt ein enormer Einstellungsbedarf an wissenschaftlichem Personal zu. Wir schlagen vor, dass der notwendige Ausbau der Hochschulen mit einer Stabilisierung der Beschäftigungsverhältnisse an den Hochschulen verbunden wird“, erklärte das für Hochschule und Forschung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller während einer Pressekonferenz am Freitag in Berlin.

Bis zu 30.000 Beschäftigte im wissenschaftlichen und künstlerischen Bereich, davon gut 16.000 Professorinnen und Professoren, müssen die Hochschulen bis 2025 einstellen – allein um den Status quo der Betreuungsrelation von Lehrenden und Studierenden zu halten. Zu diesem Ergebnis kommt Gülker in ihrer im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung erstellten Studie, die die GEW aus Anlass ihres heutigen Follow-up-Kongresses zum „Templiner Manifest“ vorstellte. Trotz des ab Mitte des Jahrzehnts erwarteten Rückgangs der Studierendenzahlen geht Gülker von einem nachhaltigen Einstellungsbedarf an Wissenschaftlern auch nach 2020 aus – insbesondere wenn die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden entsprechend der Empfehlungen des Wissenschaftsrats verbessert wird.

Für die GEW sind diese Zahlen Rückenwind für das „Templiner Manifest“, mit dem sie sich für eine Reform der Karrierewege und Personalstruktur in der Wissenschaft stark macht. „Die Hochschulen brauchen nicht nur mehr Beschäftigte, sondern auch bessere Beschäftigung: durch mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse. Nur dann können sie dem Wissenschafts-Nachwuchs berechenbare berufliche Perspektiven eröffnen, die Kontinuität und Qualität von Forschung und Lehre sichern sowie im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte mit anderen Arbeitgebern bestehen – der Arbeitsplatz Hochschule muss attraktiver werden“, sagte Keller.

Die GEW wird die Beschäftigungsbedingungen des Personals an Hochschulen auch in der Länder-Tarifrunde, die am 4. Februar beginnt, thematisieren. Noch immer seien große Teile der Beschäftigten an Hochschulen aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrags der Länder (TV-L) ausgenommen, sagte das für Angestellten- und Beamtenpolitik verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Ilse Schaad. Sie drängte darauf, die Zusage des Verhandlungsführers der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU), aus der Tarifrunde 2009, über den Geltungsbereich zu verhandeln, endlich umzusetzen. Dabei gehe es um Lehrkräfte an Kunst- und Musikhochschulen, wissenschaftliche Hilfskräfte und studentische Beschäftigte.

„Bei Abschluss des TV-L vor fünf Jahren haben die Tarifpartner die Hochschulen auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Befristung verpflichtet. Tatsächlich wurde die Befristungspraxis seitdem drastisch ausgeweitet. Wir verlangen von den Arbeitgebern wirksame Gegenmaßnahmen“, betonte Schaad. Vor fünf Jahren seien auf einen unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Angestellten an Hochschulen vier befristete gekommen. Heute liege das Verhältnis bei eins zu sieben.

Inzwischen wird das „Templiner Manifest“ von mehr als 5.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern unterstützt. Als 5.000 Unterstützer hat der Bürgermeister der Stadt Templin, Detlef Tabbert (DIE LINKE), das Manifest heute aus Anlass des GEW-Kongresses in Berlin unterzeichnet. In Templin hatte die GEW im September 2009 im Rahmen ihrer Wissenschaftskonferenz „Traumjob Wissenschaft“ das „Templiner Manifest“ verabschiedet.

Informationen zum „Templiner Manifest“ für die Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung vorgelegt zum heutigen Kongress „Gute Forschung und Lehre – gute Arbeit: zwei Seiten einer Medaille“ finden Sie, wenn Sie den Link “Templiner Manifest” anklicken. Dort kann das Manifest auch online unterzeichnet werden.

(Quelle: GEW)

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