Freiheit der Wissenschaft vs. Uni-Sponsoring

Unter der Überschrift “Freiheit der Wissenschaft? – TU Chemnitz verkauft Hörsäle – Meistbietende vor!” hat der StudentenRat der TU Chemnitz heute eine Pressemitteilung herausgegeben in welcher er die Umbenennung des zweitgrößten Hörsaals des neuen Hörsaalgebäudes der TU kritisiert. Das Problem ist ein bundesweites. Durch die chronische Unterfinanzierung der Hochschulen sehen deren Leitungen sich getrieben massiv Gelder aus anderen Quellen zu erschließen. So kommt es, dass Hochschulen zunehmend durch Finanzierungen aus der Privatwirtschaft angewiesen sind. Vor einigen Jahren ging bereits u.a. das Uni-Sponsoring von Aldi Süd durch die bundesweiten Medien. Ob Unabhängigkeit von Forschung und Lehre mit einer derartigen Entwicklung noch gegeben ist, darf und muss hinterfragt werden. Die zunehmende Ökonomisierung der Wissenschaftslandschaft ist bereits heute zu einem großen Problem geworden.

Hier die Pressemitteilung des Studentenrats der TU Chemnitz:

Freiheit der Wissenschaft?
TU Chemnitz verkauft Hörsäle – Meistbietende vor!

Studierende der TU Chemnitz standen in den letzten Tagen verwundert vor dem zweitgrößten Hörsaal N114 im neuen Hörsaalgebäude der TU. Scheinbar über Nacht wurde dieser umbenannt. Jetzt prangt dort das Schild “Niles-Simmons-Hegenscheidt-Hörsaal”.

Anni Fischer, Referentin für Hochschulpolitik im Studentenrat der TU Chemnitz zeigt sich verwundert: “Es ist bekannt, dass Hochschulen verdiente WissenschaftlerInnen mit zahlreichen Ehrungen auszeichnen. Auch einige Hörsäle oder Gebäude der TU haben deshalb berühmte Namenspaten, wie z.B. der Weinhold-Bau. Diese WissenschaftlerInnen haben an der TU gewirkt und bedeutendes für die Universität geleistet. Aber dass jetzt schon Unternehmen derart gewürdigt werden, ist neu.”

Das weltweit agierende Spezial-Werkzeugmaschinen-Unternehmen Niles-Simmons-Hegenscheidt ist vor allem stark in die Forschung an der Fakultät Maschinenbau der TU Chemnitz involviert und hat deshalb primär nichts mit der Lehre zu tun. In der Studierendenschaft werden nun Stimmen laut, Unternehmen würden sich in die Hochschule einkaufen.

Eric Stahnke, Mitglied des Studentenrates stellt dazu fest: ?In diesem Zusammenhang ist es natürlich reiner Zufall, dass der geschäftsführende Gesellschafter von Niles-Simmons und sein Sohn erst vergangenen Montag der Universitätsstiftung anlässlich des Jubiläums 175.000 Euro spendeten. Hier werden Türen aufgemacht, die sich so schnell nicht wieder schließen lassen. Dies schafft ein Präzedenzfall, da Unternehmen aktiv in die Lehre eingreifen und das hinterlässt einen schalen Beigeschmack.”

“Die sächsischen Hochschulen müssen in Zeiten massiver Kürzungen um jeden Cent kämpfen. Befürchtungen, dass auch bald die Technische Universität Chemnitz, um zu überleben einen zusätzlichen Namen tragen wird, liegen nahe. Gerade hier sollte die Staatsregierung hellhörig werden und die Hochschulen endlich ausfinanzieren, bevor diese staatlichen Einrichtungen ihnen aus den Händen gleiten,” führt Fischer weiterhin aus.

Anstößig ist darüberhinaus auch die Geheimhaltung des ganzen Unterfangens. Weder die Studentenschaft noch die Hochschulgremien wie der Senat oder die Öffentlichkeit wurden über dieses Verfahren informiert.

An dieser Stelle noch der Verweis auf einen aktuellen Artikel, der heute in der Le Monde diplomatique erschienen ist: Studieren für Geld – Die britische Bildungspolitik wird von einem Unternehmer diktiert, von David Nowell-Smith.

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