Öffentliche Armut – Privater Reichtum – Umverteilung?

Die Geschäfte, welche über Steueroasen abgewickelt werden, haben im vergangenen Jahr trotz der politischen Diskussionen weiter zugelegt. Dies zeigt eine Studie der Boston Consulting Group. Insgesamt investierten vermögende Privatpersonen aus Deutschland 2009 mehr als sieben Billionen US-Dollar im Ausland. (Nur zum Vergleich: Die Staatsverschuldung Deutschlands beträgt aktuell ca. 1,7 Billionen Euro.). Demnach wuchsen im vergangenen Jahr die Vermögenswerte von Privatanlegern, die in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt sind, um 11,5 Prozent auf 111,5 Billionen US-Dollar. Mit verwalteten Vermögenswerten von 37,1 Billionen US-Dollar blieb Europa auch 2009 die reichste Region der Welt.

Global zählten 2009 weniger als ein Prozent aller Haushalte zum Kreis der Millionäre; diese verfügten aber über 38 Prozent der Assets. Haushalte mit einem Vermögen von mehr als fünf Millionen US-Dollar repräsentierten 0,1 Prozent aller Haushalte und verfügten über 21 Prozent der globalen Vermögenswerte.

Einerseits haben wir also leere öffentliche Kassen und den Bürgerinnen und Bürgern wird versucht weis zu machen sie hätten über ihre Verhältnisse gelebt. Mit dieser Begründung werden Sozialabbau, Kürzungen und Privatisierungen gerechtfertigt. Andererseits haben wir einen enormen privaten Reichtum der sich in den Händen einer extrem kleinen Elite sammelt. Wirtschafts- und Finanzmarktkrisen sind immer auch Zeiten enormer Umverteilung – meist zu Gunsten der Vermögenden und der herrschenden Eliten.

Laut einer DIW Studie vom 15.06.2010 geht die Schere zwischen arm und reich in Deutschland weiter stark auseinander. Dies ist das Ergebnis einer jahrelangen Politik, die Reiche und Vermögende entlastet zu Ungunsten breiter Bevölkerungsschichten und öffentlicher Bereiche.

Umverteilung kann aber auch anders aussehen. Maßnahmen zur Neuordnung der Schulden öffentlicher Haushalte bspw. durch Schuldenstreichung, die Schließung von Steueroasen und die Regulierung der Finanzmärkte sind jetzt ebenso notwendig wie nationalstaatliche Maßnahmen wie der Widererhebung einer Vermögenssteuer, der Anhebung des Spitzensteuersatzes und vor allem muss die Eigentumsfrage gestellt werden. Ohne eine Vergesellschaftung des Banken- und Versicherungssektors wird sich die Entwicklung nicht zu einer Umverteilung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger wandeln. Die Frage ob wir uns ein privates Bankensystem welches Unmengen an öffentlichen Geldern verschlingt noch leisten können muss auf den Tisch.

Privater Reichtum versteckt in Schattenfinanzplätzen – Die Geschäfte über Steueroasen boomen.

Ergänzung vom 24.06.2010: Noch ein Hinweis auf einen Artikel vom 23.06.2010 von Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten: Privater ReichtumÖffentliche Armut.

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Eine Antwort

  1. […] wäre es nicht schon menschenunwürdig genug, dass Menschen in solch einem reichen Land wie Deutschland betteln müssen. Jetzt stellen sich sogar Beamte hin und rechnen dies als Einkommen […]

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