Studie: Wem gehört die ökonomische Bildung? Notizen zur Verflechtung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Die Wirtschaftslobby und ihr nahestehende Organisationen und Initiativen bilden zusammen mit Wirtschaftdidaktikern ein politisch-pädagogisches Netzwerk, das die Kampagnen für ein neues Schulfach Wirtschaft trägt.  Dieses Netzwerk ist eng mit CDU und FDP und ihren parteinahen Stiftungen verbunden.

Wirtschaftsverbände und unternehmernahe Organisationen fordern nicht nur ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft, sondern sie wollen auch beeinflussen, was dort gelehrt und gelernt werden soll.

Insbesondere die Finanzindustrie überschüttet die Schulen mit Materialien, drängt ins Klassenzimmer und lässt dort ihre Mitarbeiter über finanzielle Allgemeinbildung unterrichten. So vermischen sich öffentlicher Bildungsauftrag und private Geschäftsinteressen.

Dies sind Hauptergebnisse der Analysen von Lucca Möller und Reinhold Hedtke (Universität Bielefeld), die die „initiative für eine bessere ökonomische bildung heute als Arbeitspapier veröffentlicht hat. Die Studie trägt den Titel Wem gehört die ökonomische Bildung? Notizen zur Verflechtung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Sie kann unter hier heruntergeladen werden. (Hier nochmal gespiegelt: Kurzversion (6 Seiten) / Langversion (54 Seiten).)

Die „initiative für eine bessere ökonomische bildung iböb.“ ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus fünf Universitäten. Die iböb. kritsiert insbesondere die wirtschaftspolitische und politische Einseitigkeit, die verhindert, dass die Schülerinnen und Schüler sich ein eigenständiges, differenziertes Urteil in Kenntnis unterschiedlicher
Positionen bilden können.

Denn in der ökonomischen Bildung an allgemein bildenden Schulen sehen die Wirtschaftsverbände offensichtlich eine Chance, für Positionen der privaten unternehmerischen Wirtschaft und des wirtschaftsliberal-konservativen Parteienspektrums zu werben. Das belegen von den Lobbygruppen mit erheblichem Aufwand entwickelte Unterrichtsmaterialien, die sie massiv unter Kindern und Jugendlichen und an Schulen verbreiten.

Die Ergebnisse der Vorstudien aus der Universität Bielefeld, so deren Verfasser, lassen befürchten, dass ein Schulfach Wirtschaft zum Fachder Wirtschaft und der Wirtschaftsverbände wird.

Denn ein Schulfach Wirtschaft nach Vorstellungen der Wirtschaftsverbände und ihrer Partner ist inhaltlich und politisch einseitig geprägt. In den von ihnen verbreiteten Konzepten und Unterrichtsmaterialien werden Positionen und Perspektiven von Gewerkschaften, Umwelt-, Sozial- und Verbraucherverbänden sowie kapitalismus- und globalisierungskritische
Ansätze marginalisiert. Wissenschaftlicher und politischer Pluralismus sind dort selten gefragt, politische Positionen aus dem Mitte-Links-Spektrum bleiben meist ausgeblendet.

Demgegenüber fordert die initiative für eine bessere ökonomische bildung iböb., dass sich die Wirtschaftsdidaktik als Wissenschaft und die bildungspolitischen Akteure nachhaltig für den wissenschaftlichen und politischen Pluralismus in der ökonomischen Bildung in allgemein bildenden Schulen einsetzen.

Nach Auffassung der iböb gehört die ökonomische Bildung an öffentlichen Schulen allen, nicht nur den Interessen von großen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden. Hier gibt es einen großen politischen pädagogischen Handlungsbedarf.

 

Und zur Auflockerung des Ganzen etwas Musik, die mir in diesem Zusammenhang gerade zugesandt wurde: Der Reggae von Groovty zur asozialen Marktwirtschaft der Neoliberalen. (Quelle und Text hier.)

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