Thesenanschlag und Fortsetzung der Montagsversammlungen angekündigt

Fast 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther seine kritischen Thesen zu Ablass und Buße an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg nagelte. Heute bürden Banken ihre Verluste der Gesellschaft auf, während sie gleichzeitig dicke Gewinne einstreichen. Grund genug für Aktivisten der Leipziger Demokratiebewegung mit einer symbolischen Aktion am Reformationstag
Parallelen zu ziehen und auf diese Missstände hinzuweisen.

Aus der Pressemeldung von Acampada Leipzig: Die Schonung der Banken ist moderner Ablasshandel, gestützt und geduldet von Politikern, die eigentlich die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten sollten. In einer symbolischen Aktion schlug am heutigen Reformationstag der Luther des 21.Jahrhunderts Thesen an die Tür der Deutschen Bank. Parallel wurden verschiedene Flugblätter verteilt u.a. mit Fakten zur Krise. (Bilder von der Aktion u.a. hier)

Bereits seit zwei Wochen versammeln sich jeden Montagabend Leipziger Bürgerinnen und Bürger auf dem Augustusplatz. Heute abend ist die nächste Versammlung um 19 Uhr angekündigt. Wie einst Martin Luther werden Mitglieder der Versammlung Thesen für echte Demokratie und ein gerechtes Finanzsystem vorstellen und diskutieren, ob in kleinen Gruppen, oder am offenen Mikrofon.

Darüber hinaus ist ein politisches Lampion-Fest auf dem Augustusplatz geplant. Besucher der Versammlung sind eingeladen, Lampions mit ihren persönlichen Reformationsthesen mitzubringen. (Bilder von der Versammlung unter anderem hier.)

Acampada Leipzig versteht sich als Teil einer internationalen Demokratiebewegung. Inspiriert von der spanischen Protestbewegung Movimiento 15-M und der amerikanischen Bewegung Occupy Wallstreet kamen am 15. Oktober 2011 Bürgerinnen und Bürger auf dem Augustusplatz in Leipzig zusammen, um ihrem Unmut über die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Missstände zu zeigen. Seitdem versammelt sich die Bewegung jeden Montag 19 Uhr auf dem Augustusplatz und diskutiert Wege aus der Krise – basisdemokratisch, konsensorientiert und überparteilich.


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15 Antworten

  1. „Die Schonung der Banken ist moderner Ablasshandel […]“

    bitte was??? kannst du diesen (in meinen augen höchst hanebüchenen und populistischen) vergleich auch erklären?

  2. „Wie einst Martin Luther […]“

    Ein Schelm, wer da an dessen verkürzte Kirchen- bzw. fehlende Religionskritik und Antisemitismus denkt.

    Eine Kapitalismuskritik (aufgrund einer Analyse, nicht Moralismus) fehlt bei solchen Aktionen offensichtlich.

  3. @ tee: Als mehr oder weniger studierter Theologe würde ich allzu gern wissen, in welchen Schriften Luthers (die sog. Thesen sind auf Grund ihrer Materialität ja wahrscheinlich außen vor), sich eine verkürzte Kirchen- und fehlende Religionskritik äußert. Gewiss, in den knapp 40 Bänden der Gesamtausgabe findet sich zu nahezu jeder Äußerung Luthers ein passenden „Gegenbeispiel“, aber schon der gute alte Walt Whitman (selbst kein einfacher Parteigänger des Christentums) sagte: „Do I contradict myself? Very well then, I contradict myself.“ (Der Rest steht in seinen „Leaves of Grass“) Aber zurück zum Thema – nennen wir es der Einfachheit halber: Verkürzung und Verfehlung. Als Fast-Theologe wundert man sich oft über die Reinheitsansprüche der – vereinfach gesagt – „Linken“, zumindest mancher Teile von ihr. Wann ist denn eine Kritik nicht verkürzt? Und kann man bei Demonstrationen (oder Thesenanschlägen) tatsächlich eine umfassende Kritik liefern? Ist das überhaupt das Ziel? Oder geht es nicht darum, den Fehdehandschuh erstmal zu werfen, auch und gerade im Wissen, das er der Weisheit letzter Schluss (noch) nicht ist – falls es so etwas wie eine letzte Weisheit überhaupt gibt. (Christen würden das natürlich bejahen, aber die Frage von geoffenbarten Religionen wollen wir hier nicht diskutieren.) Mit anderen Worten: Analyse gut und schön, aber es braucht beides – Aktion und Reflexion, das Studium diverser Theoretiker und den einfachen Schritt auf die Straße, vor eine Bank, auf einen Platz… Warum die Kritik überhaupt auseinanderdividieren? Warum der Glaube, nur die eigene, per aspera ad astra erbrachte Kritik (die nicht selten ja nur ihre eigene Unmöglichkeit postuliert) sei einzig und allein die Packung, aus dem sich die Sargnägel für den Kapitalismus entnehmen lassen? Vor Theorien haben die „Konservativen“ keine Angst, auch nicht vor linken. Und empirische Ergebnisse werden auch hinweggelächelt, umgedeutet oder mit eigenen Auftragsarbeiten konterkariert. Was aber Wirkung erzeugt – und da wären wir wieder bei Luther – sind Aktionen. Es sind nicht Luthers Schriften allein, aus denen sich noch heute – und oft ungewusst – vieles speist, sondern die Tatsache, dass er nicht nur schreibend und denkend tätig war. Manch einer erarbeitet sich seine Kapitalismuskritik qua Aktion – will man diese „untheoretischen“, noch nicht „so weit“ gebildeten Menschen wirklich außen vor lassen? Müssen sie erst die gesamte MEW gelesen haben? Oder die „Frankfurter Schule“ inkl. ihrer Adepten? Ich denke, wir sollten die Vielfalt von Kritikformen akzeptieren, egal wie elaboriert und vermeintlich(!) kurz gedacht sie sind. Theoria heißt im Altgriechischen Anschauung – und die gewinnt man nur partiell aus Texten. In diesem Sinne…
    F.N.

  4. Und kann man bei Demonstrationen (oder Thesenanschlägen) tatsächlich eine umfassende Kritik liefern?

    na beim thesen anschlagen nicht, sag‘ ich ja.
    bei demonstrationen auch nicht, aber das fordert ja auch niemand. ansätze von kapitalismuskritik wären aber wünschenswert, wo jetzt nur bankenkritik ist.

    Warum der Glaube, nur die eigene, per aspera ad astra erbrachte Kritik (die nicht selten ja nur ihre eigene Unmöglichkeit postuliert) sei einzig und allein die Packung, aus dem sich die Sargnägel für den Kapitalismus entnehmen lassen?

    wer glaubt das denn? jetzt mal vom gegenstandpunkt abgesehen.

    Manch einer erarbeitet sich seine Kapitalismuskritik qua Aktion – will man diese „untheoretischen“, noch nicht „so weit“ gebildeten Menschen wirklich außen vor lassen?

    reaktionäre lasse ich mindestens aussen vor. während zu den montagsdemos 2003/04 bspw. büsos und (andere) religiöse spinner noch vertrieben wurden, werden sie nun mind. toleriert. (hinkt ein wenig der vergleich mit den montagsdemos, ich weiss. aber montagsdemo-vergleich hinken zwangsweise, damals wie heute!)

    Vor Theorien haben die „Konservativen“ keine Angst, auch nicht vor linken. Und empirische Ergebnisse werden auch hinweggelächelt, umgedeutet oder mit eigenen Auftragsarbeiten konterkariert. Was aber Wirkung erzeugt – und da wären wir wieder bei Luther – sind Aktionen.

    dass ich nicht lache. willst du das thesenannageln luthers also höher bewerten als seine thesen selbst?! wow.
    es kommt schon auf den INHALT an, der da mit aktionen transportiert wird. als würde ich was gegen aktionen haben. ich habe etwas gegen den inhalt dieser aktion. (wie auch der bescheuerten „banker zerschlagen demokratie“-aktion)

    ich hab‘ weder mew noch frankfurter schule drauf. braucht man auch keineswegs, um zu erkennen, dass diese „raffende kapital“-kritik verkehrt ist (der vorwurf des strukturellen antisemitismus (in verbindung mit dem luthervergleich geradezu satirisch) passt hier ausnahmsweise mal) und eine kapitalkritik, also kritik am EIGENTUM, angebracht wäre.

    fakt ist: ihr seid nicht 99%. im gegenteil.

    ps: deine „linken“-kritik trifft mich zum glück nicht, ich bin egoist.

    pps: wer was von „modernem ablasshandel“ und parallelen zu luther schreibt (aber NICHTS davon erklärt), macht damit nicht aktion, sondern (pseudo)theorie. und zwar falsche.

  5. @ tee: Na ja, warum sollte mensch von einem Pfaffen auch Religionskritik erwarten?

    @ F.N.: Die Antisemitismus-Assoziation hatte ich allerdings auch bei der Kombination Luther + Protest gegen das Finanzkapital.
    Der besagte Pfaffe Martin L. hat ja in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ (1543, allerlei Abscheuliches gegen die Juden geäußert, z.B. dieses:
    „Sie sind voller Zauberei … voll Neides und Stolzes, dazu eitel Diebe und Räuber, die täglich nicht einen Bissen essen, noch einen Faden am Leibe tragen, den sie uns nicht gestohlen oder geraubt haben durch ihren verdammten Wucher … Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der am Galgen siebenmal höher als andere Diebe hängen sollte.“
    (eine Reihe weiterer Zitate, in denen Luther seine Gewaltphantasien gegenüber den Juden äußert, lassen sich unter http://www.theologe.de/martin_luther_juden.htm nachlesen).

    Diese klassisch antisemitischen Vorwürfe gegen die „jüdischen Wucherer“ kommen mir bei der oben genannten Aktion und dem Verweis auf Martin Luther eben als erstes in den Sinn (ist auch nicht so weit hergeholt, bei der offenkundigen Abneigung mancher Demonstrant_innen gegen den bösen, bösen Zins).

    Das Gerede vom „modernen Ablasshandel“ ist dagegen ziemlicher Blödsinn (Was soll das denn bedeuten? Die Banken kriegen unser Geld und vergeben uns unsere Sünden? Wo ist denn da die Analogie, von der begriffslosen moralischen Empörung über die geldgierigen Bonzen mal abgesehen?)
    Es mag ja sein, dass diese Aktion irgendeine „Wirkung erzeugt“, aber bei solcher verqueren Symbolik fragt sich dann, was für eine Wirkung das sein soll. Und nur der Wirkung wegen muss mensch sich noch lange nicht auf so ´ne miese Type wie Luther berufen. Der hat schließlich nicht nur gegen die Juden gehetzt und dazu aufgerufen, Synagogen anzuzünden. Auch während der Bauernkriege spielte er eine eher unsympathische Rolle: Da forderte er z.B. man solle die auftständischen Bauern allesamt wie wilde Tiere erschlagen. Ein obrigkeitsfixierter, antisemitischer Pfaffe also – ein schönes Vorbild für eine Protestbewegung!

  6. Manch einer erarbeitet sich seine Kapitalismuskritik qua Aktion […]

    frag dich doch mal kurz selbst, wie das gehen soll. mit logik und ratio scheinst du’s nicht so zu haben. aber gut, „als mehr oder weniger studierter theologe “ … *augenroll*

  7. Na ja, warum sollte mensch von einem Pfaffen auch Religionskritik erwarten?

    na eben. warum sollte mensch von freunden des eigentums auch kapitalismuskritik erwarten. naja, wahrscheinlich doch perlen vor die säue … :(

  8. Es dürfte schwer sein, im 15./16. Jhd. einen Gelehrten zu finden, der nicht anti-semitisch war. Das macht die Sache an sich nicht besser, aber man sollte aufpassen, dass man Geschichtliches mit nicht heutigen Kategorien bewertet.

    Und was ist eigentlich an begriffsloser Kritik so schlimm?

  9. Noch ein Gedanke – es mag ja sein, dass studierte/intellektuelle Leute bei den Sachen mit dem Ablasshandel unschöne Assoziationen bekommen, aber das geht bestimmt nicht allen so, ja vielleicht sogar nur wenigen. Es ist irgendwie unschön, immer gleich die Antisemitismus-Klatsche auszupacken. Der Dichter Rolf-Dieter Brinkmann schrieb 1969 mal: „Und dann ist es eine Generation, der heute weithin Relevanz beigemessen wird, deren intellektuelle Flexibilität und Empfindlichkeit sich aus dem gestrigen Material herleitet – einer zu intensiven Faschismuserfahrung, die andauernd unter dem Zwang auszusortieren leidet. Sie vermag es nicht sich in Beziehung zu ‚Maschinen‘ zu setzen – ihre Assoziation kommt sogleich auf ‚Vernichtungsmaschine‘.“
    Was ich damit (qua Brinkmann) sagen will: Man muss nicht immer in der Geschichte wühlen, und die eigenen Assoziatonsketten zu faktischen Verbindungen anderer erklären. Ein wenig mehr Gelassenheit und – ja – auch Spaß wären durchaus angebracht, auch und gerade beim Protestieren und den Protestformen.
    Ich könnte hier jetzt noch ein lustiges Zitat von Frank Zappa anbringem (damit es hier nicht wieder so theologisch wird), aber das lasse ich mal lieber. Es handelt jedenfalls von bayrischen Socken und A.H. ;-)

  10. @ Johannes: Ich werfe euch ja auch nicht Antisemitismus, sondern planlosen Umgang mit Symbolik vor – soviel zur „Antisemitismusklatsche“.

    Im Übrigen funktioniert sollte man auch aufpassen, dass man heutige Verhältnisse nicht mit Kategorien aus dem 15./16. Jahrhundert bewertet – wo die Verbindung von Ablasshandel und dem jetzigen Finanzmarkt besteht, hat hier nach wie vor niemand sinnvoll begründet.
    Sprich: die Aktion ist Nonsens, und diesen Nonsens damit zu rechtfertigen, dass man sich nix dabei gedacht hat, ist auch nicht gerade glorreich.

    Tja, und warum ist begriffslose Kritik schlimm bzw. problematisch? Weil man ohne Begriff halt nix begreift, also auch die Ursache eines gegebenen Problems nicht erfasst, drum das Problem nicht lösen kann und folglich weiter ein Problem hat (in unserem Fall dann halt die kapitalistische Ausbeutung).

    Ich denke da z.B. an diesen einen Mann, der sich bei der Kundgebung am Montag vor´s offene Mikro stellte, und erklärte, man müsse den Zins abschaffen, weil Zinsen schmutziges Geld seien.
    Das ist eben begriffsloser Moralismus: Zinsen nehmen ist „schmutzig“, also irgendwie igitt-igitt, das macht „man“ einfach nicht.
    Ich will mich hier nicht darüber lustig machen: Dem Mann war anzumerken, dass er wirklich verzweifelt war. Es ist aber ein Problem, wenn er dann die Ursache des eigenen Elends an der völlig falschen Stelle sucht. Im nächsten Atemzug fing der Mann dann nämlich von seinen Problemen beim Arbeitsamt an und empörte sich, dass ihm dort eine Weiterbildung verweigert und statt dessen gesagt wurde, er solle doch lieber arbeiten.
    Das ist natürlich Scheiße, dann haben seine Probleme aber mit der derzeitigen Finanzkrise einfach mal überhaupt nichts zu tun – vor zehn Jahren waren die Leute beim Arbeitsamt auch nicht freundlicher, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann.
    Statt lustiger Martin-Luther-Spielchen wäre in so einem Fall eine ganz andere Praxis nötig. Da müssten sich die Erwerbslosen mal solidarisieren und sich selbst organisieren, um der sozialstaatlichen Willkür was entgegenzusetzen.

    Im Übrigen: Krise hin oder her – der normale, „funktionierende“ kapitalistische Normalbetrieb ist auch nicht schön. Da hakt dann auch eine Kritik, die sich nur auf den Zins beschränkt. Der Zins ist ja nur eine Sonderform des Profits: Eine Bank gibt einem Unternehmer Kredit, damit der sich Maschinen und Arbeitskräfte kaufen kann. Der Unternehmer erwirtschaftet Profit, indem er die Arbeitskräfte ausbeutet, und die Bank sackt einen Teil dieses Profit als Zins ein. Jede Form von Mehrwert (der Zins eingeschlossen) beruht auf Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft.
    Der Unternehmer guckt natürlich, wie viele Arbeitskräfte er gewinnbringend ausbeuten kann und versucht diese bestmöglich auszunutzen. Das führt dann dazu, dass der eine Teil der Lohnabhängigen sich kaputtackert und der andere als „überflüssig“ aussortiert wird, um dann mit Hartz IV am Existenzminimum vor sich hin zu kräpeln.
    Das Problem beginnt also schon bei der „Realwirtschaft“, und nicht erst auf dem Finanzmarkt. Die derzeitige Krise verschärft viele Probleme sicher noch, aber wenn alles glatt läuft und die Unternehmen ordentliche Profite erwirtschaften, dann haben wir eben genauso ein Problem.

    Also, ein wenig Nachdenken hat noch keinem geschadet…

  11. Nur ganz kurz, weil ich arbeiten muss (diese Schweine ;-))
    Wahrscheinlich gehört es zur „Natur“ jeder Symbolik, dass sie sich mit ganz verschiedenen Vorstellunge füllen lässt – und eben damit auch gefüllt wird. (Ich glaube die Sozial- und Sprachwissenschaftler nennen das privilegierte Signifikanten.) Ich nehme an, die Leute haben sich bei ihrer Luther-Ablasshandel-Sache nicht allzuviel gedacht, und irgendwas Böses wahrscheinlich erst recht gar nicht. (Zumindest meine ich das von und für Mike sagen zu können). Warum denen also einen Strick daraus drehen. (Vor allem „linksrum“ ;-))
    Was indes das Begreifen und die Begrifflichkeiten betrifft, so glaube ich, dass da nicht unbedingt ein Zusammenhang besteht. Ich denke, dass viele Leute (zu denen dann und wann auch ich mich zähle) nicht unbedingt einen Begriff brauchen, um einen Sachverhalt zu verstehen oder sagen wir zumindest zu „erfühlen“, zumal sich nicht alles so leicht auf einen Begriff bringen lässt, schon gar nicht auf EINEN. Oder, um nochmal Brinkmann (diesmal mit Hilfe von Burroughs) zu zitieren: „Wenn ich das Wort Stuhl sage, sehen Sie einen Stuhl. Wenn ich ‚Die Gleichzeitigkeit von gesellschaftlicher Trägheit und ambivalentem Schmutz unerkannt totalitärer Systeme‘ sage, sehen Sie nichts.“

  12. Sorry, komme erst jetzt dazu irgendwas dazu zu schreiben und leider auch nur ganz kurz (bin auf m Sprung):
    Die Aktionsidee war einfach nur, den Reformationstag zum Anlass zu nehmen um nochmal auf die Missstände hinzuweisen: Erpressbarkeit von Regierungen. Den Vergleich mit dem Ablasshandel hatten wir deswegen reingenommen um drauf hinzuweisen dass aktuell bezogen auf die Debatte um einen Schuldenschnitt für Griechenland zwar in der öffentlichen Darstellung die Finanzwirtschaft bzw. die Banken an den Verlusten beteiligt werden sollen (50% … wobei es da noch Nachverhandlungen gibt und sich das sicherlich noch verändern wird.) aber gleichzeitig die Ursachen des Problems nicht angegangen werden. Wenn man mal die Summen zusammenrechnet die in den letzten Jahren aus den öffentlichen Kassen zur Rettung der Banken bereitgestellt wurden und sich die Dividendenausschüttungen bspw. der Deutschen Bank im letzten Quartal anschaut, dann kommt jede/r Normaldenkende zu der Erkenntnis das hier grundsätzlich was falsch läuft. Es wurden bis heute keinerlei nennenswerte Regulierungen verabschiedet aber gleichzeitig wird massiv Geld in den privaten Bankensektor gepumpt mit der Begründung diese Banken seien „too big to fail). Wenn jetzt die private Bankenwirtschaft teilweise mit herangezogen wird, dann ist das nicht mehr als ein Feigenblatt. Darauf war die Anspielung mit dem Ablasshandel gemünzt… also ein „Freikaufen“ mit etwas Geld (was vorher eh aus öffentlichen Kassen kam) um die gleichen Geschäfte weiterbetreiben zu können.
    Ist vielleicht etwas an den Haaren herbeigezogen – mag sein. Hätte man besser beschreiben und erklären können. Aber letztlich ging es ja hier um eine kleine spontane Aktion um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.
    (Normalerweise müsste die Deutsche Bank bereits vollständig in öffentlicher Hand befinden wenn man die Gelder die aus öffentlichen Kassen bereit gestellt wurden mal zusammenaddiert.)

  13. zwischen „begriffen“ und „begreifen“ soll nicht unbedingt ein zusammenhang bestehen? wow².

  14. @ Mike: Also das mit dem „Ablasshandel“ ist so gemeint, dass sich die Banken bei den Regierungen freikaufen?
    Dann ist die Metapher ja noch schiefer, als ich gedacht hatte… Beim originalen Ablasshandel nahm die Kirche ja reales Geld für imaginäre Vergehen („Sünden“), während ihr euch quasi darüber aufregt, dass die Banken für ein reales Vergehen nur imaginär Buße tun.
    Naja, nicht alles was hinkt, ist deswegen schon ein Vergleich.

    @ Johannes: Sachverhalte „erfühlen“, ach so… Ich hab mich schon die ganze Zeit gefragt, warum du nicht auf meine Argumente eingehst. Danke für die Aufklärung. Das Fühlen klappt bei dir ja offenbar ganz super.

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