Verwirrendes aus dem HTWK Rektorat

Um die Umsetzung der Kürzungspläne der Sächsischen Staatsregierung an den Hochschulen des Freistaats wird es immer mysteriöser. Bis heute gibt es noch keinen öffentlichen sächs. Hochschulentwicklungsplan, alles was existiert ist ein Entwurf der aber vom Ministerium nicht öffentlich gemacht wird. Dieser Entwurf soll aber die Grundlage für die Kürzungspläne an den einzelnen Hochschulen sein. In den Hochschulen laufen dazu seit Monaten Diskussionen. An der HTWK läuft das im Moment besonders kontrovers ab, denn der Senat der HTWK hat den Entwurf eines HTWK-Hochschulentwicklungsplans abgelehnt, allerdings verlautbart nun die Hochschulleitung in ihrem jüngsten Rektorats-Newsletter, dass eine „grundlegende Hochschulentwicklungsplanung der HTWK Leipzig“ vom Senat der HTWK beschlossen und vom Hochschulrat genehmigt worden sein soll. So sieht es eigentlich auch das Sächsische Hochschulgesetz vor, nur verwundert diese Darstellung wenn man an den entsprechenden Sitzungen teilgenommen hat.

Dem Senat lag kein abstimmungsreifes Papier vor. Trotzdem wurde auf seiner 93. Situng am 30.11.2011 ein Entwurf des HTWK Hochschulentwicklungsplans abgestimmt und mehrheitlich abgelehnt. Trotz der Ablehnung wurde nach hitziger Debatteauf eine weitere Abstimmung gedrängt. Letztendlich hat man den Stellenabbau aus dem HTWK Hochschulentwicklungsplan herausgenommen und über die grundlegende Richtung der Hochschulentwicklungsplanung abgestimmt. Das wurde dann mit knapper Mehrheit angenommen, wobei zweifelhaft ist ob ein solches Manöver überhaupt Rechtens ist. Jedenfalls ist bis heute unklar was genau abgestimmt worden ist, da kein Papier vorlag über das hätte abgestimmt werden können. Es wurde also lediglich die Zustimmung zu einer Idee signalisiert, die aber nicht formuliert vorlag. Im (geheimgehaltenen) Entwurf des HTWK Hochschulentwicklungsplans zieht sich der Stellenabbau als zentraler Punkt von Anfang bis Ende des Papieres. Das Wort Stellenabbau kommt ganze 36 Mal darin vor – der ganze Plan baut auf der Vorgabe der Stellenkürzungen auf. In einer weiteren Abstimmung wurde der Stellenabbau ohne Gegenstimme abgelehnt.

Auch dem Hochschulrat lag zur Sitzung am 08.12.2011  gar kein Papier vor über das hätte abgestimmt werden können. Alles was vorlag war ein Entwurf welches im Kern die Stellenkürzungen enthielt (und welches auch gegenüber dem Papier, welches auf der Senatssitzung vorgestellt wurde wieder verändert wurde).
Aus dem Newsletter des Rektorats:


In der 93. Sitzung des Senats am 30.11.2011 bestätigten die Senatoren die grundlegende Hochschulentwicklungsplanung der HTWK Leipzig,  der Stellenabbau von 14 Stellen an der HTWK Leipzig im Zeitraum von 2013 bis 2015 wurde grundsätzlich abgelehnt. In der 12. Beratung  des HSR am 08.12.2011 folgte der HSR dem Votum des Senates, d.h. der Hochschulentwicklungsplan wurde genehmigt, eine Zustimmung zum Stellenabbau von 14 Stellen an der HTWK Leipzig im Zeitraum von 2013 bis 2015 erfolgte nicht.

Bis heute ist der HTWK Hochschulentwicklungsplan nicht öffentlich gemacht worden und es gibt nichtmal intern eine abgestimmte Version. Trotzdem scheint es offenbar einen Zeitdruck bei den Mitgliedern des Rektorats zu geben der so hoch ist, dass man sich genötigt sieht jegliche demokratischen Spielregeln außer Kraft zu setzen. Warum ist mir noch nicht klar.

Außerdem: Aus dem SMWK hat man heute morgen „wichtige hochschulpolitische Weichenstellungen“ in Form einer Pressemeldung verlauten lassen. In Worthülsen und mit Schönfärberei werden die Kürzungen als etwas Positives verkauft, der starken Anstieg der Studierendenzahlen ignoriert und ein vollkommen konzeptloser Kurs bei der LehrerInnenausbildung bestritten. Bei der Novellierung des Sächs. Hochschulgesetzes wird nun von einem „Sächsischen Hochschulfreiheitsgesetz“ gesprochen, welches den Hochschulen mehr Autonomie garantieren soll. In der Realität ist bisher genau das Gegenteil durch das neue Sächs. Hochschulgesetz passiert. Wie in anderen Bundesländern bereits seit Jahren wird auch in Sachsen mehr und mehr die Hochschul- und Wissenschaftslandschaft nach Vorstellungen des Bertelsmann-Konzerns umstrukturiert.

Advertisements

2 Antworten

  1. Die Landesregierung und ihr Ministerium ist absolut unfähig, dass wird bei dem orientierungslosen Kurs in der Hochschulpolitik sehr deutlich. Im Zusammenhang mit der LehrerInnenausbildung eine Pressemitteilung der Technischen Universität Chemnitz von heute:

    „Lehrerausbildung in Chemnitz ja, aber keine Grundschullehrer!“

    Universitätsleitung der TU Chemnitz reagiert mit Unverständnis auf die von der sächsischen Staatsregierung beabsichtigte Wiederaufnahme der
    Grundschullehrerausbildung in Chemnitz

    „Mit großer Verwunderung haben wir nach der gestrigen Sitzung des
    Kabinetts zahlreichen Medieninformationen entnehmen können, dass ab dem
    Wintersemester 2013/14 in Chemnitz wieder Grundschullehrer ausgebildet
    werden“, sagt Prof. Dr. Cornelia Zanger, kommissarische Rektorin der
    Technischen Universität Chemnitz, und fügt hinzu: „Dieses Ansinnen der
    Staatsregierung ist nicht nachvollziehbar, denn in der Zeit von 1997 bis
    1999 wurde die Lehramtsausbildung bei uns komplett eingestellt. Personal
    wurde an andere Hochschulen versetzt. Die Labors und deren Ausstattung
    fanden neue Interessenten – dies war nicht nur für uns ein sehr
    schmerzlicher Prozess.“ Insbesondere eine solide
    Grundschullehrerausbildung sei in Chemnitz nun nicht mehr möglich, da
    die Voraussetzungen für eine Ausbildung in Fächergruppen wie
    Grundschuldidaktik, Musik und Kunsterziehung nicht mehr gegeben sind.
    „Für den Wiederaufbau der Grundschullehrerausbildung müssten an unserer
    Universität 30 neue Stellen geschaff
    en und besetzt werden“, sagt Zanger. Dies stehe auch im krassen
    Widerspruch zu der vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft
    und Kunst vorgegebenen Kürzung von 42 Stellen bis zum Jahr 2016 an der
    TU Chemnitz sowie der angestrebten Vermeidung von Überschneidungen bei
    Studienangeboten und der Bündelung von Ressourcen an den sächsischen
    Universitätsstandorten.

    „Wir sind sehr darüber irritiert, dass im Vorfeld der Kabinettssitzung
    zu keinem Zeitpunkt die sächsische Wissenschaftsministerin mit uns über
    ihre Absicht gesprochen hat, zumal sowohl dem Wissenschaftsministerium
    als auch dem sächsischen Kultusministerium andere konzeptionelle
    Gedanken der TU Chemnitz zur möglichen Wiederaufnahme der
    Lehrerausbildung in Chemnitz bekannt sind“, sagt Zanger. Dies betreffe
    jedoch nicht die Grundschullehrerausbildung, sondern nur
    Lehramtsstudiengänge für ausgewählte Unterrichtsfächer und für
    ausgewählte Schulformen. „Ein seit mehr als einem Jahr beiden
    Ministerien vorliegendes Konzept, schlägt vor, dass künftig in
    MINT-Fächern wie Chemie, Physik, Informatik und Mathematik insbesondere
    für Gymnasien Lehrer ausgebildet werden können. Dies betrifft auch den
    Bereich der Berufsbildenden Schulen“, erklärt Zanger. Bis auf den
    heutigen Tag liegen der TU Chemnitz keine Stellungnahmen des
    Wissenschafts- und des Kultusministeriums zu diesem Arbeitspapier
    vor.

    Dr. Peter Seifert, Vorsitzender des Hochschulrates der TU Chemnitz,
    ergänzt: „Gerade über Lehramtsstudiengänge für Gymnasien und
    Berufsbildende Schulen sowie deren Absolventen ist eine nachhaltige und
    wirksame Verbindung mit diesen Schulen möglich, insbesondere
    hinsichtlich der Motivation für MINT-Studienangebote und die Gewinnung
    von Studienanfängern.“ Das gemeinsame Fazit von Zanger und Seifert zu
    den aktuellen Vorstellungen im „Sächsischen Hochschulentwicklungsplan
    2020“ lautet: „Lehrerausbildung in Chemnitz ja, aber keine
    Grundschullehrer!“

    Und anbei nochmal die Pressemeldung des StuRa der Uni Leipzig von gestern:

    HEP sieht Lehrer_innenbildung in Chemnitz vor

    ***Pressemitteilung***Unnötige Lehrer_innenbildung in Chemnitz / Mangelnde Kapazitäten in Dresden und Leipzig / Motivation Lehrender und Studierender sinkt

    Leipzig, 20. Dezember 2011. Die Sächsische Staatsregierung plant mit ihrem Hochschulentwicklungsplan (HEP) den Neuaufbau der Lehrer_innenbildung an der Technischen Universität Chemnitz (TUC). Dem gegenüber steht die Schließung von Grund- und Mittelschullehramt an der Technischen Universität Dresden (TUD) 2010, die von massiven Protesten der Studierenden begleitet wurde.

    Der Lehramtsreferent des StudentInnenRats der Universität Leipzig (StuRa), Tillmann Steiner, bemerkt hierzu: „Auch wenn es erfreulich ist, dass die Sächsische Staatsregierung endlich den drohenden Lehrer_innenmangel in Angriff nimmt, so lässt sie doch ein Konzept vermissen. Es ist verwunderlich, erst einen Standort zu schließen, um im Folgejahr die Eröffnung von zwei Standorten zu verkünden. Langfristige und qualitative Planung sieht anders aus“.

    Der HEP sieht neben der Neueröffnung der Lehrer_innenbildung auch die Streichung von über 1000 Stellen an Sächsischen Hochschulen bis 2020 vor. Diese werden auch an der Lehrer_innenbildung nicht spurlos vorbei gehen. „Anstatt die Lehrer_innenbildung in Leipzig und Dresden und damit bestehende Strukturen zu stärken, wird ohne Notwendigkeit Augenwischerei mit dem Neuaufbau in Chemnitz betrieben“, kritisiert Steiner. In Chemnitz müsse mit der Einrichtung des Lehramts auch ein Zentrum für Lehrer_innenbildung qua Gesetz errichtet werden.

    An der Universität Leipzig muss die Lehramtsreform trotz akkreditierter Studiengänge, auf Wunsch der Landesregierung, zurück zum Staatsexamen. Gleichzeitig stehen die geplanten Stellenstreichungen im Raum. „Die Regierung hat nicht begriffen, dass sie mit jeder weiteren Hiobsbotschaft die Motivation aller Beteiligten weiter gefährdet“, kritisiert Steiner. Er fordert die Rücknahme der Stellenstreichungen, den Ausbau der das Lehramt betreffenden Kapazitäten an den Universitäten in Dresden und Leipzig, sowie das Absehen von den Planungen in Chemnitz.

  2. Anbei finden Sie die Pressemitteilung der Studierendenvertretung der TU Chemnitz zur geplanten Wiedereinführung des Lehramtsstudiums an der TU Chemnitz:

    ===================================

    Stellungnahme des Studentenrates zur geplanten
    Grundschullehramtsausbildung an der TU Chemnitz

    Das Kabinett verabschiedete am 20.12. den Hochschulentwicklungsplan
    bis 2020, unter anderem enthielt dieser die Wiedereinführung des
    Lehramtsstudiums in Chemnitz. Angekündigt wurde die Einführung des
    Grundschullehramtsstudiums in Form des Staatsexamens.
    Dazu erklärt das Referat für Hochschulpolitik des Studentenrates der
    TU Chemnitz:

    Schon jetzt gibt es einen gravierenden Mangel an Lehrkräften,
    insbesondere im Grundschulbereich. Es ist zweifelsfrei nötig, die
    bestehenden Kapazitäten zur LehrerInnenausbildung zu erhöhen, daher
    ist die vorgesehne Stärkung der Lehramtsausbildung in Dresden und
    Leipzig zu begrüßen.
    Inwieweit die Wiedereinführung in Chemnitz aber angesichts der,
    ebenfalls im Hochschulentwicklungsplan angekündigten, bevorstehenden
    massiven Kürzungen sinnvoll ist, bleibt fraglich, denn bereits jetzt
    fehlt es in Chemnitz an vielen Stellen an Lehrpersonal.
    Dazu Dirk Leichsenring, Referent für Hochschulpolitik des StuRa:
    „Generell ist zu befürworten, dass es in Chemnitz wieder eine
    Lehramtsausbildung geben soll. Der Schwerpunkt der Pädagogik an der TU
    Chemnitz liegt allerdings auf Erwachsenenbildung und ist daher für die
    Ausbildung von LehrerInnen, vor allem im Grundschulbereich, nicht
    nutzbar. Eine Wiedereinführung in Chemnitz ist nur unter erheblichen
    finanziellen und personellen Aufwand möglich, da die dafür nötigen
    Strukturen völlig fehlen.“

    Die Situation um die Lehrkräfte in Sachsen ist natürlich kritisch.
    Derzeit beträgt das Durchschnittsalter der sächsischen Lehrkräfte
    annähernd 50 Jahre, weshalb in den nächsten zehn Jahren
    schätzungsweise 9000 Lehrkräfte aus Altersgründen wegfallen werden ,
    etwa ein Drittel der derzeit Beschäftigten. Um dem entgegen zu wirken,
    hätten ein Ausbau und eine Verbesserung der LehrerInnenausbildung in
    Sachsen eigentlich schon vor Jahren in die Wege geleitet werden müssen.

    „Ein Grundschullehramtsstudium wäre natürlich eine Bereicherung für
    die TU Chemnitz, allerdings ist es fraglich, wie Chemnitz dazu
    beitragen kann, die personellen Probleme im schulischen
    Bildungsbereich in Sachsen zu lösen. Den schnellen Bedarf an
    GrundschullehrerInnen wird daher nicht durch Chemnitzer AbsolventInnen
    gedeckt werden können, da der Aufbau der Lehramtsausbildung längere
    Zeit dauern wird. Ebenfalls fraglich ist die Finanzierung. Auf der
    Pressekonferenz zur Vorstellung des Konzepts des Koalitionsausschusses
    zur schulischen Bildung, in dessen Rahmen auch die Stärkung der
    LehrerInnenausbildung steht wurde lediglich gesagt, dass für die
    Umsetzung des Konzepts über 200 Millionen Euro nötig wären. Diese
    Gelder sollen in den beiden nächsten Doppelhaushalten eingestellt
    werden. Auch ist das Zustandekommen der Pläne zur Wiedereinführung des
    Grundschullehramts in Chemnitz nicht nachvollziehbar. Auf vorherige
    Nachfrage wussten die inneruniversitären Verantwortlichen noch nichts
    von solchen Plänen. Anscheinend hat das SMWK hier erneut nicht den
    Dialog gesucht und über den Kopf der Universität hinweg entschieden.“,
    so Leichsenring weiter.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: