Griechische Belegschaft besetzt ihr Krankenhaus und führt es weiter. Eine tägliche Generalversammlung trifft alle Entscheidungen.

Im Rahmen der Proteste gegen die europäische „Krisenpolitik“ die vor allem auch vom deutschen Regime vorangetrieben wird, hier eine interessante Nachricht aus Griechenland. Health workers in Kilkis, Greece, have occupied their local hospital and have issued a statement saying it is now fully under workers control.
Der Bericht auf englisch: http://libcom.org/blog/greek-hospital-now-under-workers-control-05022012

Und hier der Bericht auf deutsch:
In Kilkis, Griechenland, wurde das das lokale Krankenhaus von ihren Angestellten (health workers) besetzt und gaben in einer Erklärung ab, dass es sich unter völliger Kontrolle der Arbeiter_innen befindet. Die Arbeiter_innen reagieren damit auf die Beschleunigung des Regimes Richtung Faschismus mit der Besetzung des Krankenhaus und mit der Ausübung der direkten und kompletten Kontrolle durch die Arbeiter_innen.

Alles wird durch eine Arbeiter_innen Generalversammlung entschieden. (workers general assembly)

Das Spital hat angegeben: „Die Regierung wird nicht von ihrer finanziellen Verantwortung freigesprochen und wenn die Forderungen nicht erfüllt werden, wenden sie sich an die lokale und gesellschaftliche Gemeinschaft um auf jede mögliche Art und Weise das Krankenhaus zu retten & das kostenfreie Gesundheitswesen zu verteidigen und die Regierung & jede neoliberale Politik zu stürzen.“

Die Krankenhausarbeiter_innen werden vom 6. Februar an nur noch Notfälle behandeln, bis ihre Löhne und geschuldeten Beiträge bezahlt werden. Sie fordern auch die Rückkehr der Löhne auf ein Niveau vor der Umsetzung der Austeritäts-Sparmaßnahmen.

Die folgende Erklärung wurde von den Arbeiter_innen veröffentlicht:

1. Wir erkennen, dass die aktuellen und andauernden Probleme der ?.S.? (Nationales Gesundheitssystem) und verwandten Organisationen nicht mit spezifischen und isolierten Forderungen, unserem Interesse zu dienen, gelöst werden können, da diese Probleme ein Produkt der allgemeinen anti-populären Regierungspolitik und des dreisten globalen
Neoliberalismus ist.

2. Wir erkennen auch, dass wir durch das Insistieren für die Umsetzung von Forderungen dieser Art im Spiel der skrupellosen Autorität teilhaben. Diese Autorität, die, um ihrem geschwächten und gespaltenen Feind (dem Volk) entgegenzutreten und versucht, der Entstehung einer universalen Arbeiter- und Volksfront vorzubeugen, die auf nationaler und
globaler Ebene mit gemeinen Interessen gegen die soziale Verelendung eintritt, welche die Politik der Autorität mit sich bringt.

3. Aus diesem Grund platzieren wir unsere speziellen Interessen in einem allgemeinen Gerüst von politischen und ökonomischen Forderungen, die von einem Grossteil der griechischen Bevölkerung während der sehr brutalen kapitalistischen Angriffe gestellt werden; Forderungen, die um zu fruchten, in einer Zusammenarbeit von Mittel- und Unterklasse unserer
Gesellschaft, bis zum Ende gestellt werden müssen.

4. Die einzige Möglichkeit dieses zu erreichen, ist das System aktiv zu hinterfragen. Nicht nur seine politische Legitimität, sondern auch die Legalität der willkürlichen, autoritären und volksfernen (anti-popular) Macht und Hierarchie, die sich in schnellen Tempo zum Totalitarismus hinentwickelt.

5. Die Arbeiter_innen des Spitals von Kilkis beantworten diesen Totalitarismus mit Demokratie. Wir besetzen das öffentliche Spital und stellen es unter direkte und absolute Kontrolle. Das G.N. von Kilkis wird von nun an selbst verwaltet und die einzige Institution die für administrative Entscheidungen zuständig sein wird, ist die Generalversammlung der Spitalarbeiter_innen.

6. Die Regierung ist nicht befreit von ihren finanziellen Verpflichtungen, das Spital und Personal auszurüsten, aber wenn sie diese Verpflichtungen weiter ignoriert, sind wir gezwungen die
Öffentlichkeit zu informieren und die Gemeinde und noch wichtiger die Gesellschaft um jegliche Art der Unterstützung zu fragen, für a) das Überleben des Spitals, b) die umfassende Abstützung des Rechts für ein öffentliches und freies Gesundheitswesen, c) die Umwälzung der aktuellen Regierung und jeglicher anderen neoliberalen Institution, egal woher
diese kommt, durch einen gemeinsamen Kampf des Volkes, d) eine tiefe und grundsätzlich Demokratisierung die in den Händen der Gesellschaft liegt und nicht einer Troika die nur Verantwortung über Entscheidungen übernimmt, die ihre eigene Zukunft betrifft.

7. Die Arbeiterunion der G.N. von Kilkis beginnt am 6. Februar mit der Reduzierung der Arbeit, nur Notfälle behandelnd, bis der Lohn für die gearbeiteten Stunden ausbezahlt und das Einkommen wieder auf eine Ebene erhöht wird, die es vor der Ankunft der Troika (EU-EZB-IWF) hatte. In der Zwischenzeit werden wir, bewusst um unsere soziale Mission und
unsere moralischen Verpflichtungen, die Gesundheit der Spitalbesucher schützen und ihnen freie Gesundheitsversorgung anbieten, bis die Regierung seine Verantwortung anerkennt und sich seiner masslosen sozialen Skrupellosigkeit bewusst wird.

8. Wir entscheiden dass eine neue Generalversammlung am Montag den 13. Februar in der Halle des neuen Gebäudes des Krankenhaus um 11 Uhr stattfinden wird, um die verfahren zu bestimmen, die notwendig sind um eine effiziente Besetzung der Administration umzusetzen und erfolgreich die Selbstorganisation des Krankenhauses zu realisieren, welche an diesem Tag beginnen wird. Die Generalversammlung täglich stattfinden und die höchste Institution gegenüber den Angestellten und den Operationen des Spitals sein.

Wir fragen um Solidarität der Bevölkerung und der Arbeiter_innen aus allen Bereichen, die Zusammenarbeit aller Arbeiter_innen-Gewerkschaften und Progressiven Organisationen, wie auch um Unterstützung aller Medienorganisationen welche sich entschieden haben die Wahrheit zu erzählen.

Wir sind entschlossen so lange weiterzumachen, bis die Verräter die unser Land und ihre Bevölkerung ausverkaufen verschwinden. Es ist entweder DIE oder WIR!
[…]

Wir werden die Bevölkerung über jedes wichtige Ereignis, das in unserem Krankenhaus stattfindet über Pressecommuniques und -konferenzen informieren. Zudem werden wir jedes verfügbare Mittel benutzen um die Öffentlichkeit zu erreichen, um diese Mobilisierung erfolgreich zu machen.

Wir rufen
a) unsere solidarischen Mitbürger dazu auf Solidarität mit unseren Anstrengungen zu zeigen
b) jeden unfair in unserem Land behandelten Mitbürger der im offenen Widerstand gegen ihre/seine Unterdrücker_innnen lebt.
c) unsere solidarischen Arbeiter_innen von anderen Spitälern dazu auf, es uns gleich zu tun.
d) die Angestellten in anderen Bereichen des öffentlichen und privaten Sektors und Teilnehmer der Arbeits- und Progressiven Organisationen dazu auf, ähnlich zu agieren, damit die Mobilisierung die Form eines allgemeinen gesellschaftlichen/betrieblichen Widerstands/Aufstands annimmt, bis zu unserem finalen Sieg über die wirtschaftliche und politische Elite, die heute unser Land und die ganze Welt unterdrückt.

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Eine Antwort

  1. In diesem Zusammenhang ein Blogeintrag im ppg-Netzwerk von Franziska Frielinghaus:

    Arbeiter_innen organisieren sich und ihre Gewerkschaften

    Vor kurzem war auf diesem Blog die Nachricht von der Besetzung und Selbstverwaltung eines Krankenhauses in Griechenland zu lesen. Auf der gestrigen Veranstaltung “Griechenland: Demokratie unter Beschuss” im IG Metall Haus Berlin wurden u.a. zwei weitere Beispiele vorgestellt. Arbeiter_innen und Gewerkschafter_innen aus der Stahlindustrie und Zeitungsproduktion berichteten von ihrem Streik, den Betriebsbesetzungen und der Organisation der Selbstverwaltung.

    Panagiotis Katsaros, Stahlarbeiter bei “Chalyvourgia Elladas” berichtete von der Besetzung des Stahlwerks und dem seit 135 Tagen andauernden Streik. In täglichen Versammlungen entscheiden die Arbeiter_innen über die nächsten Schritte. Der Streik wird von den einzelnen betrieblichen Basisorganisationen der griechischen Metallgewerkschaft betragen.

    Es geht um die Verteidigung der Rechte der Beschäftigten, gegen Lohnkürzungen und für den Erhalt von Tarifverträgen. Und:

    Griechenland ist der Anfang. Es geht um die Organisierung der Arbeiterklasse insgesamt und der Kampf in den griechischen Stahlwerken könnte für ganz Europa ein Vorbild sein.

    Konstantina Daskalopulou, Journalistin für “Eleftherotypia”, einer der größten linken Zeitungen in Griechenland, berichtete von dem Kampf der Medienarbeiter_innen. Lohnkürzungen bis zu 40%, ausstehende Löhne bis zu einem Jahr, Selbstzensur und Repression führen zu Problemen der Freiheit der Presse.

    Die Belegschaft von “Eleftherotypia” hat in einer allgemeinen Generalversammlung der Journalist_innen, Drucker_innen und Kolleg_innen aus der Verwaltung den Streik beschlossen. Sie haben eine gewählte Arbeitskomission eingesetzt. Diese übernimmt Aufgaben der Koordination des Arbeitskampfes, der Zusammenarbeit mit den Anwält_innen, anderen Presseunternehmen und den Gewerkschaften.

    Nach einigen kurzen Streiks und Diskussionsveranstaltungen befinden sie sich nun im permanenten Streik und der Selbstverwaltung des Zeitungsunternehmens. Am 15.2.2012 erschien die erste Streikausgabe, die sich 31.000 Mal verkaufte. Die 800 Beschäftigten haben erfahren, dass sie selbstbestimmt arbeiten und ihren Zeitungsbetrieb verwalten können. Sie haben eine einstweilige Verfügung der Geschäftsführung abschmettern können. Die zweite Ausgabe ist erschienen. […]

    http://www.who-owns-the-world.org/2012/03/14/arbeiter_innen-organisieren-sich/#more-6251

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