Papier ist geduldig

Es ist das alte Spiel – um Kosten zu minimieren, scheint vielen Unternehmen jedes Mittel recht. Der Online-Versandhändler Amazon ist dabei schon mehrfach in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Der Grund: Vom Jobcenter im Rahmen von „Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung“ mit öffentlichen Mitteln ausgebildete Fachkräfte werden dort mit Kusshand genommen, mit befristeten Arbeitsverträgen ausgestattet und kurz vor der Entfristung entlassen, damit das Spiel – mit neuen Arbeitnehmern, neuen Steuergeldern – von vorn beginnen kann.

Wie paradox, um nicht zu sagen pervers diese Geschäftspraktiken sind, zeigt sich allein schon daran, dass die kurz vor der Entfristung stehenden Mitarbeiter entlassen werden, derweil Amazon zeitgleich um neue Arbeitskräfte wirbt. Während die einen also mit dem blauen Brief in der Hand zum Werkstor rausmarschieren, stehen die anderen davor und warten darauf, eingestellt zu werden, in der ebenso berechtigten wie irrigen Hoffnung, aufgrund ihrer Leistungen in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis zu gelangen.
Bereits vor Weihnachten waren diese Praktiken publik geworden. Während man sich bei Amazon damals mit dem Argument der „Saisonarbeiter fürs Weihnachtsgeschäft“ rausredete, sprach man in den Jobcentern schon damals von Fehlern, die korrigiert werden müssten – getan hat sich seitdem aber offenbar nichts. Dass diese Praktiken nicht nur in der Leipziger Ansiedlung, sondern deutschlandweit bei Amazon gang und gäbe sind, hat sich schon damals gezeigt. Dass sich daran noch immer nichts geändert hat, macht deutlich, mit welcher Macht und Arroganz große Firmen wie Amazon ihr Geschäft betreiben. Der Bericht aus der L-IZ von gestern gibt dazu ein eindrückliches Beispiel.

Leider sind bisher nur wenige Kunden und Dienstleister bereit gewesen, aus dem Gebaren von Amazon Konsequenzen zu ziehen und ihre Zusammenarbeit aufzukündigen. Eine Ausnahme stellen allerdings die Nachdenkseiten dar, die infolge der bereits im Novembver 2011 auftauchenden Berichte ihre Teilnahme am Amazon-Partnerpropgramm eingestellt haben und die auf der Webseite angebotenen Bücher nicht mehr zu Amazon verlinken.

Schlussendlich lässt sich aber nur mit kollektivem Druck etwas an der Situation bei Amazon (und anderen Firmen, die ähnlich arbeiten) ändern. In Anbetracht der Schwierigkeiten, mit denen die Buchhandlungen nicht nur in Leipzig zu kämpfen haben, sei aber hinzugefügt, dass man sich generell überlegen sollte, ob man seiner Bücher bei Amazon bestellt oder nicht lieber doch in einen der zahlreichen Buchläden geht, die es in den einzelnen Stadtvierteln (noch!) gibt. Denn selbst wenn dort mal ein Buch nicht vorrätig ist, das engmaschige Bestell- und Auslieferungsnetz macht es möglich, dass nahezu jedes Werk umgehend geordert und am nächsten Tag im Buchladen abgeholt werden kann.

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3 Antworten

  1. Spare Papier, lese Ebooks. Sorry for that.

  2. Amazon verkauft auch eBooks… und Reader… und Tablets…

  3. Übrigens auch ganz interesant:

    Spiegel Online, 01. Mai 2012
    Amazon und Apple setzen auf Steuertricks

    http://steuergerechtigkeit.blogspot.de/2012/05/amazons-und-apples-legale-steuertricks.html

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