globaLE Filmfestival in der Schaubühne Lindenfels: Debtocracy und Diskussion über illegitime Schulden

Im Rahmen des globaLE-Filmfestivals zeigten wir am Dienstag in der Schaubühne Lindenfels den Film „Debtocracy“. Debtocracy (2011) ist ein griechischer Dokumentarfilm der Journalisten Katerina Kitidi und Ari Hatzistefanou über die Krise, die eigentlichen Ursachen der Staatsverschuldung, die Profiteure, die Rolle Deutschlands und die Mechanismen, die zur Enteignung der Gemeinschaften führen. Der Film ist „von unten“ finanziert und steht auch kostenfrei zum ansehen im Internet. Wir haben den Film ins Programm der globaLE aufgenommen um einen kleinen Beitrag zu leisten in Sachen Aufklärung darüber, was tatsächlich in Griechenland geschieht und um denen eine Stimme zu geben, die in der tagtäglichen Medienberichterstattung hierzulande nicht oder nur selten zu Wort kommen. Die Schaubühne war an dem Abend gut gefüllt, so dass leider die Bestuhlung nicht ausgereicht hat und viele Gäste auf dem Boden Platz nehmen mussten. Im Anschluss an den Film fand noch eine interessante Diskussion über Verschuldung, illegitime Schulden, Reichtum und Vermögen und Möglichkeiten der Umverteilung statt.

Die Politik, auch der Bundesregierung, hat Griechenland in eine Dauer-Rezession geführt, die nun zu einer Depression wie in den 30er Jahren ausgewachsen ist. Klar ist aber: Griechenland erlebt aktuell eine massive, nachhaltige Umverteilung zu Gunsten der Kapitalbesitzer. Das aufgezwungene Strukturanpassungsprogramm, Sozialkahlschlag und massive Privatisierungen lösen weder finanzielle, noch die Wettbewerbsprobleme Griechenlands. Stattdessen führen sie zu einem Ressourcentransfer von den arbeitenden Menschen hin zum Finanzsektor, insbesondere den Banken. Genau das zeigt der Film sehr deutlich und nicht Wenige werden Parallelen zum Ausverkauf Ostdeutschlands in der 90er Jahren erkennen.

Die Hauptakteure der Reportage haben einen Antrag auf Erstellung eines internationalen Prüfungsausschusses unterschrieben, der die Gründe für eine Staatsverschuldung deutlich machen und die dafür Verantwortlichen verurteilen soll. In diesem Fall hätte Griechenland das Recht, die Rückzahlung seiner „ungerechtfertigten Schulden“ zu verweigern, das heißt der Schulden, die durch Korruption und gegen die Interessen der Gesellschaft entstanden sind.

Das Filmfestival ist eine Initiative von attac Leipzig und Eine Welt e.V. und findet bereits zum achten Mal in Leipzig statt. Im Anschluss an die Filmvorführungen finden jeweils interessante Diskussionen mit Gästen statt. Am Dienstag Abend war die Politikwissenschaftlerin Lisa Monz zu Gast, die Teil der AG Politische Ökonomie im Jugendbildungsnetzwerk der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist und sich mit dem Forschungsschwerpunkt Finanz- und „Schuldenkrise“ beschäftigt.

Der Fokus der diesjährigen globaLE liegt auf den Themen Krise, Flucht und Vertreibung, Schulden, Privatisierung und deren Folgen. Aber auch andere Themen wie Energie, Klima und Umwelt kommen nicht zu kurz. Der erste Teil des Festivals findet als Sommerkino in den Leipziger Parks statt, ab Mitte September laufen die Vorführungen im Wechsel in den verschiedenen Programmkinos der Stadt.

Das komplette Programm findet sich auf der Webseite: www.globale-leipzig.de

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Kurzbeschreibung zum Film: Debtocracy

In Griechenland gibt es seit 2010 immer wieder gewaltige Massendemonstrationen gegen das Spardiktat der Troika aus IWF, EU Kommission und EZB. Während die Reichen ihre Gelder ins Ausland bringen, findet ein Verarmungsprozess der Mehrheit der Bevölkerung statt. Diesen agitatorischen Dokumentarfilm der griechischen Journalist_innen Katerina Kitidi und Ari Chatzistefanou, in dem nicht die Täter_innen und ihre Kompliz_innen in Berlin und Paris, sondern ausschließlich Betroffene zu Wort kommen, haben in Griechenland bereits über 1,5 Mio. Menschen gesehen. Der Film fragt nach den Hintergründen der Verschuldungspolitik und benennt Profitierende. Vor allem geht es aber um die Vorbereitung einer Audit-Kampagne, bei der alle Schuldtitel darauf geprüft werden, wer die Schulden aufgenommen hat, wie die Gelder verwendet wurden, ob Teile der Gelder (wie etwa im Fall Siemens) in dunkle Kanäle geflossen sind und welche Gelder für Rüstungseinkäufe verpulvert wurden. Der Film zeigt u.a. auch den Fall der Audit-Kampagne in Ecuador, wo ein erheblicher Teil der Schulden gestrichen wurde, so dass das kleine Land jedes Jahr 350 Mio. Dollar weniger zurückzahlen kann.

Die Webseite zum Film: http://debtocracy.gr/

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Debtocracy

Den Dokumentarfilm Debtocracy kann man kostenfrei im Internet anschauen: http://www.debtocracy.gr

Die Fotos an dem Abend sind leider alle etwas „experimentell“ geworden.

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