Der Standpunkt des Löwen

Gut 100 Leute kamen am Mittwoch der vergangenen Woche im Rahmen des globaLE-Filmfestivals zur Vorführung von „Der Standpunkt des Löwen“ (Senegal, 2011) von Didier Awadi ins Haus der Demokratie. Leider gab es vorab ein kleines Abstimmungsproblem was den Raum anging, deshalb konnten wir den Film nicht wie ursprünglich geplant in der Kinobar Prager Frühling zeigen, sondern sind ins Café im Haus der Demokratie ausgewichen. Auch wenn’s dort ziemlich eng war, haben trotzdem alle Platz gefunden. Im Anschluss gab es eine Diskussion mit Henri Depe Tchatchu. Er ist Redaktionsleiter des afro-deutschen online Portals www.maooni.de. Als Panafrikanist und Entwicklungshilfe-Kritiker, plädiert er für ein anderes Modell der Zusammenarbeit zwischen Afrika und der westlichen Welt.

Zum Film: Der Standpunkt des Löwen

„50 Jahre Unabhängigkeit. Man hat uns Glück und Wohlstand versprochen. Heutzutage steigen junge Afrikaner in einfache Holzboote, durchqueren die Wüste und das Meer in Richtung Eldorado.“ Warum? Was sind die tieferen Gründe? Und wie konnte es soweit kommen? Dies waren die Ausgangsfragen von Regisseur und Hip Hop Star Didier Awadi. Mehrere Jahre interviewte er Ex-Präsidenten und Minister, hohe UN-Beamten, Schriftsteller, Künstler, Historiker, Aktivisten und einfache Migranten und Flüchtlinge, 44 Personen, die die Situation ihres Kontinents analysieren – und dabei kein Blatt vor den Mund nehmen! Ergebnis ist ein dezidiert pan-afrikanischer, gewollt subjektiver und revolutionärer Dokumentarfilm, dessen Schlagkraft kaum zu wünschen übrig lässt.

„Filmtechnisch ist dies kein Spielberg oder Spike Lee. Unser Ziel ist es, eine pan-afrikanische Botschaft zu überbringen. Man erwarte keine naive Objektivität. Unsere Absicht ist rein subjektiv. Unser Vorhaben ist revolutionär. Wir stehen dazu.“ Didier Awadi

„Die afrikanische Politik wird von Außen bestimmt, nicht von den Afrikaner/innen selbst. Sie sollten ausdrücken dürfen was sie denken über die aktuelle Politik, die Kolonisation, die De-kolonisierung, die ausländischen Militärbasen auf ihrem Territorium, die immer noch benutzte koloniale Währung, die Migrationsfragen. Wir empfangen die ganze Welt bei uns, aber uns will man nirgends empfangen. Das ist eine Heuchelei, die man anprangern und gegen die man ankämpfen muss.“ Didier Awadi im Gespräch mit Olivier Barlet, Africultures

Vor dem Hintergrund eines offenkundigen Rassismus sind die Debatten über die „illegale Migration“ und die damit einhergehende Sicherheitsfrage immer omnipräsenter im Westen, während die Afrikaner/innen, Hauptbetroffene dieser diskriminierenden Praxis, kaum reagieren. Didier Awadi, er, wollte nicht schweigen. afrik.com

Zum Regisseur:
Der 1969 in Dakar geborene Rapper, DJ und Musiker Didier Awadi gilt als einer der Pioniere der Hip Hop-Bewegung im Senegal und Westafrika. Nach seiner ersten Gruppe, Didier Awadi’s Syndicate, gründete er zusammen mit Amadou Barry, alias Doug-E-Tee, 1989 PBS (Positive Black Soul) und brachte 1994 das weltweit erfolgreiche Album Boul faalé heraus. In seinen drei Soloalben Kaddu gor (2001), Un autre monde est possible (2005) und Sunugaal (2006) sowie dem neuesten Projekt Président d´Afrique (2010) reflektiert er über Panafrikanismus, plädiert für mehr Menschlichkeit in der internationalen Politik und erinnert an die prägenden Persönlichkeiten der Unabhängigkeiten Afrikas.

 

 

Hier noch ein paar Fotos vom Abend:

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