Catastroika im UT Connewitz im Rahmen des globaLE Filmfestivals

In der vergangenen Woche zeigten wir den Film „Catastroika“ zu dem ich hier schon einiges geschrieben hatte im UT Connewitz. Thematisch gesehen war Catastroika der letzte Film in unserer diesjährigen Reihe zu Flucht, Verschuldung und Privatisierung. Der Kinosaal war mit rund 150 Besuchern wieder sehr gut gefüllt. Im Anschluss fand in kleinerem Kreis mit ca. 40 Leuten noch eine interessante Diskussion über öffentliches Eigentum und deren Bedeutung für Staat, Kommune und generell für demokratische Teilhabe statt. In den nächsten Wochen folgen weitere Filme die sich schwerpunktmäßig mit Fragen des Umweltschutzes und Fragen der Arbeitnehmerrechte beschäftigen.

Zum Film Catastroika an dieser Stelle noch ein Interview mit den Filmemachern, welches in der Jungen Welt vom 8.10.2012 erschienen ist:

»Durch Privatisierung nehmen die Schulden nur noch zu«

Der Film »Catastroika« befaßt sich mit den Folgen, die die Finanzdiktatur für Griechenland hat. Ein Gespräch mit Aris Chatzistefanou
Interview: Wolfgang Pomrehn

Aris Chatzistefanou arbeitet in Athen als Journalist und Filmemacher. Gemeinsam mit Katerina Kitidi hat er den Film »¬Catastroika« herausgebracht – eine Anklage gegen die Griechenland aufgezwungene Privatisierungswelle.
Sie haben in Ihrem Film »Catastroika« einen Vergleich zwischen der Verschleuderung von DDR-Vermögen und den geplanten Privatisierungen in Griechenland hergestellt. Wie sind Sie darauf gekommen?
Das wurde uns sozusagen von der Europäischen Zentralbank aufgedrängt, die sagte, wir sollten dem Beispiel der deutschen Treuhand folgen. Also haben wir uns umgeschaut, um zu erfahren, was damit gemeint sein könnte. Wir stellten fest, daß die Treuhand ein Desaster war. Der Ausverkauf des öffentlichen Eigentums Ostdeutschlands endete mit ihrer hohen Verschuldung, sie war ökonomisch und moralisch ein großes Unglück. So haben es uns jedenfalls die Menschen in Deutschland erzählt, die in dem Film zu Wort kommen.
Sie haben auch Fachleute aus den USA befragt?
Wir haben mit angesehen Ökonomen in den USA gesprochen, die im Prinzip durchaus der Privatisierung das Wort reden. Aber auch diese meinen, daß der gegenwärtige Moment der schlechteste ist, denn die Aktienkurse sind zusammengebrochen, und die Privatisierung würde auf jeden Fall eine neue Entlassungswelle verursachen.
Dennoch hat der Verkauf bereits begonnen.
Wir haben mit der Landwirtschaftsbank erlebt, wie das funktioniert: Die Privatisierung wurde quasi über Nacht durchgezogen, kaum jemand hat etwas mitbekommen. Verkauft wurde weit unter Wert und das hat System: Die Unternehmen werden schlecht gemacht, damit sie praktisch umsonst abgegeben werden können.
Angeblich soll Privatisierung die Schulden vermindern, aber heraus kommt das Gegenteil: Durch die Privatisierung nehmen sie nur noch zu. Das haben wir bereits vor zehn Jahren mit der öffentlichen Elektrizitätsgesellschaft erlebt. 49 Prozent wurden am Aktienmarkt verkauft, wofür etwas mehr als eine Milliarde Euro eingenommen wurden. Andererseits wurden in den letzten zehn Jahren an die privaten Unternehmen, die Teile der Aufgaben übernommen haben, neun Milliarden Euro an Subventionen gezahlt. Wir haben durch die Privatisierung also knapp acht Milliarden Euro draufgezahlt.
Was soll die Privatisierung für den Schuldenabbau bringen?
Zunächst hieß es, durch Privatisierungen seien 50 Milliarden Euro einzunehmen, aber inzwischen ist nur noch von acht Milliarden Euro die Rede. Im Augenblick werden viele Gesellschaften aufgeteilt, so daß die profitablen Teile verkauft werden können. Die unprofitablen bleiben hingegen beim Staat. Zum Beispiel soll die Infrastruktur der Eisenbahnen staatlich bleiben, so daß die Steuerzahler auch weiter für sie zahlen werden. Die Züge und alles, was Gewinn abwirft, werden hingegen an eine private Gesellschaft verkauft. Es ist überall das gleiche: Die Steuerzahler müssen weiter für die Ausgaben aufkommen, aber der Staat verliert die Einnahmen. Zum Beispiel wird gerade die staatliche Lotto-Gesellschaft Opap verkauft, das profitabelste Unternehmen in Griechenland. Die Regierung hat Probleme, ihren Haushalt zu decken, aber veräußert eine sichere Einnahmequelle.
Berichten die griechischen Medien über den Widerstand gegen diese Politik?
Kaum. Die Medien sind von jeher von einer kleinen Gruppe der wirtschaftlichen Eliten kontrolliert worden. Aber in den 1990ern Jahren und bis 2008 hat es immer ein paar Nischen für Journalisten wie uns gegeben, die über Alternativen schreiben und sprechen konnten. Wir waren sozusagen das linke Alibi.
Ab 2008 und insbesondere ab 2010 war Schluß damit. Alle Linken wurden entlassen, natürlich wurden wirtschaftliche Gründe vorgeschoben. Das Ergebnis: In den Medien findet sich jetzt fast nur noch die Sichtweise der wirtschaftlichen Elite, die die Troika ins Land geholt hat.
Der Film kann aus dem Internet heruntergeladen werden: www.catastroika.com/indexen.php

Quelle: Junge Welt vom 8.10.2012

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Hier noch einige Fotos von der Veranstaltung in Leipzig:

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