Das Venedig Prinzip – Eine Stadt geht baden

Gestern zeigten wir den Film „Das Venedig-Prinzip“ im Rahmen des globaLE Filmfestivals. Trotz des recht regnerischen Wetters kamen gut 90 Gäste zum Film in den Clara-Zetkin-Park und machten es sich unter den Schutz bietenden Bäumen gemütlich. Der Dokumentarfilm von Andreas Pichler ist wirklich sehenswert.  Er zeigt die andere Seite des „romantischen Venedig“ und setzt sich mit dem touristischen Massenandrang und den daraus resultierenden Konsequenzen für die letzten Venezianer auseinander. Was passiert mit den Einwohnern und einer Stadt, die durch Kommerz und Profitstreben zu einer Art Disneyland gemacht wurde und wird? Ungefähr 20 Millionen Menschen besuchen Venedig jährlich. Das macht durchschnittlich sechzigtausend Köpfe pro Tag, und in diesem Jahr werden es wieder mehr sein. Ihnen stehen inzwischen noch 58.000 Einwohner entgegen, so viele wie zuletzt nach der großen Pest von 1438. Und nächstes Jahr werden es wieder weniger sein, denn die Stadt wird unbewohnbar. Die schönste Stadt der Welt wird abends zur Geisterstadt: ganze Viertel stehen schon leer; von ihren Bewohnern längst verlassen, dienen diese unbewohnten Gemäuer dem Geschäft mit einem Mythos. Das urbane Eigenleben Venedigs ist beinahe zusammengebrochen, es existiert kaum noch. Viele Einwohner entscheiden sich, die Stadt zu verlassen und ins nahegelegene Umland zu ziehen. Äußerlich immer noch grandios anzuschauen, offenbart sich bei der genauen Betrachtung, was tatsächlich vom venezianischen Leben übriggeblieben ist: eine Subkultur touristischer Dienstleister; ein Hafen für die monströsen Kreuzfahrtschiffe, der auf seine Erweiterung wartet; Venezianer, die auf das Festland ziehen, weil es keine bezahlbaren Wohnungen mehr gibt; eine alte Adlige, die die Stadtverwaltung mit Hohn überzieht; ein Immobilienmakler, der darüber nachdenkt, das sinkende Schiff zu verlassen. Der Mörtel in den Grundmauern der Palazzi hat mehrere hundert Jahre gehalten. Der Zement aber, mit dem man heute die Schäden kostensparend saniert wird in wenigen Jahrzehnten zerfallen. Die Stadt wie wir sie heute kennen ist dem Untergang geweiht.

Der Film ist ein Requiem auf eine immer noch grandiose Stadt. Er ist ein Lehrstück darüber, wie öffentliches Gut zur Beute einiger Weniger wird. Ein Hohelied auf die letzten Venezianer, ihren Witz und ihr Herz.

 

Nächste Woche sind wir mit der globaLE noch einmal im Clara-Zetkin-Park und danach im Richard-Wagner-Hain. Das komplette Programm der globaLE gibt’s hier.

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