Schattenfinanzplätze schaffen Armut – Deutschland auf Platz 8 im weltweiten Ranking

Heute ist der neue Schattenfinanzindex 2013 (Financial Secrecy Index) erschienen, der vom Tax Justice Network (TJN) seit 2009 erstellt wird und zuletzt 2011 erschien. Der Index ist die weltweit größte Untersuchung dieser Art und listet 82 Finanzzentren nach dem Grad ihrer Geheimhaltung und ihrem Anteil am Weltmarkt für grenzüberschreitende Finanzdienstleistungen auf. Die BRD nahm damals Platz 9 ein. In der heute veröffentlichten Studie wird das Land im internationalen Vergleich auf Platz 8 eingeordnet. Das ist bemerkenswert und wird großteils durch den mangelhaften  Austausch steuerrelevanter Informationen und der großen Bedeutung als Finanzplatz verursacht. Schätzungen gehen davon aus, dass in der BRD jährlich zwischen 29 und 57 Milliarden Euro „gewaschen“ werden. Speziell zur Rolle Deutschlands gibt es hier einen gemeinsamen Bericht von Misereor, Global Policy Forum Europe, WEED und dem TJN.

Korruption, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Steuerflucht, Betrug, Insiderhandel und Bestechung – das sind die  Folgen eines großteils intransparenten globalen Finanzsystems. Strenge Bankgeheimnisse (wie bspw. in Österreich, Luxemburg oder der Schweiz), intransparente Eigentümerstrukturen bei Trusts, Treuhandschaften oder Stiftungen sowie mangelnde Kooperation der Behörden kennzeichnen weiterhin die schwarzen Löcher im internationalen Finanzsystem. Hunderte Milliarden Dollar für öffentliche Leistungen gehen den Staaten jährlich durch Schattenfinanzplätze verloren.

Bemerkenswert ist, dass 13 der Top 21-Länder des Index OECD-Staaten oder von einem Mitglied abhängige oder kontrollierte Gebiete sind. Es liegt also nicht nur an den üblichen Verdächtigen in der Karibik, die Probleme zu lösen, sondern vor allem an den politisch mächtigsten Staaten. Das zeigt, dass zwischen den Ankündigungen der OECD-Länder und deren tatsächlicher Umsetzung noch immer eine riesige Lücke klafft. Der automatische Informationsaustausch ist nicht einmal innerhalb der EU allgemeiner Standard. Die Begünstigten von Stiftungen, Trusts und (Schein-)Unternehmen werden in den meisten Ländern in keinen öffentlichen Registern aufgeführt. Nach wie vor dominiert Steuerwettbewerb statt Steuerkooperation.

Wie so oft ist die Lösung des Problems nicht nur eine Frage von Expertise und guten Vorschlägen sondern von öffentlichem Druck. Denn keine Gruppe ist reicher und einflussreicher als die Profiteure und Beschützer dieses Systems.

Auf den ersten Plätzen: Schweiz und Luxemburg / Großbritannien „versteckte“ Nummer Eins

An den ersten beiden Stellen des FSI liegen die Schweiz und Luxemburg. Trotz Verbesserungen – etwa beim Bankgeheimnis insbesondere gegenüber den USA – ist die topplatzierte Schweiz weiterhin Speerspitze gegen internationale Bemühungen für mehr Transparenz. Auf Platz zwei liegt Luxemburg, das mit einem giftigen Cocktail aus Geheimhaltung, Steuerschlupflöchern und schwacher Finanzregulierung eine riesige Offshore-Finanzdienstleistungsbranche bedient.

Großbritannien liegt zwar nur auf Platz 21, ist jedoch  – allen Beteuerungen zum Trotz – die versteckte Nummer eins der Schattenfinanzwelt, wie das Tax Justice Network betont. Die City of London unterstützt und kontrolliert ein Netz von Verdunkelungsoasen auf der ganzen Welt, unter anderem die Cayman Islands (4.), Jersey (9.), Bermuda (14.) und Guernsey (15.). Dieses Netz würde zusammengenommen unangefochten Platz eins einnehmen.

Hong Kong und Singapur, zwei rivalisierende und rasch wachsende Verdunkelungsoasen, liegen auf Platz 3 und 5 des Index, gefolgt von den USA und dem „Aufsteiger“ Libanon.

Die wirtschaftlichen Begünstigten von Stiftungen, Trusts/Treuhandvereinbarungen und Unternehmen sind oft nicht bekannt und auch nicht in Erfahrung zu bringen. Oft kritisieren Regierungen von EU Staaten zu Recht anonyme Trusts und Briefkastenfirmen auf den britischen Kanalinseln oder den Caymans, gleichzeitig sind sie aber selbst nicht bereit völlige Transparenz im eigenen Land herzustellen. An dieser Stelle 2 Minuten Filmausschnitt aus dem Film „Lets make money“ zur Erklärung wie diese Konstrukte im Grunde funktionieren.

EU-weit fehlen verbindliche Transparenzregeln für alle international tätigen Unternehmen, damit diese ihre Gewinne und Steuerzahlungen länderweise ausweisen. Das würde Ländern außerhalb der EU, insbesondere Entwicklungsländern, ebenfalls zugute kommen. Solche Regeln soll es in der EU ab 2015 immerhin für Banken und Unternehmen im Rohstoff- sowie Tropenholzbereich geben.

Weitere Hintergrundinformationen zum Schattenfinanzindex:

Hinweise:
* Eine 2012 publizierte Studie des Tax Justice Networks zeigt, dass 21 bis 32 Billionen Dollar an privatem Finanzvermögen offshore gehalten wird. 7 bis 9 Billionen Dollar davon stammen aus sogenannten Entwicklungsländern. Die Weltbank schätzt, dass bis zu 1,6 Billionen US-Dollar jährlich illegitim über Grenzen hinweg verschoben werden. Nach Angaben des Tax Justice Networks entgehen den Staaten jährlich ungefähr 250 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen, weil reiche Personen und Unternehmen Vermögen ins Ausland transferieren. Laut Berechnungen der Afrikanischen Entwicklungsbank und Global Financial Integrity verließen 1,4 Billionen Dollar an Kapital seit 1980 den afrikanischen Kontinent,
meist handelt es sich um illegale Abflüsse, die nie versteuert wurden.

* The British Connection: http://www.financialsecrecyindex.com/faq/britishconnection

Die TOP 20 der internationalen Steueroasen (Stand November 2013 nach FSI)

1. Schweiz
2. Luxemburg
3. Hongkong
4. Cayman-Inseln
5. Singapur
6. USA
7. Libanon
8. Deutschland
9. Jersey
10. Japan
11. Panama
12. Malaysia
13. Bahrain
14. Bermuda
15. Guernsey
16. Arabische Emirate
17. Kanada
18. Österreich
19. Mauritius
20. Jungfrauen Inseln

Weitere Informationen:

.

An dieser Stelle mal noch der Verweis auf eine 30 minütige Dokumentation zum Thema: „Flucht in die Karibik – Die Steuertricks der Konzerne“:

Steuern

Attac Steueroasen Schliessen

2 Antworten

  1. Die Studien von GFI sind nicht sehr seriös. Außenhandelsstatistiken sind wegen ihrer minderen Qualität verrufen. Wo man Datenmüll reinsteckt, kommt Datenmüll raus http://alternativlos.tk/?p=213

  2. Ist klar Herr Kirchner. Wer sich für unregulierte Finanzmärkte einsetzt und damit sein Geld verdient hat natürlich Interessen.

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