Sand im Getriebe: Nelson Mandela

Der aktuelle internationale deutschsprachige Rundbrief von attac ist da und ich stelle ihn hier auch zum download und lesen ein.

Vorwort SiG 107: Farewell Nelson !

Wann gab es das schon mal, dass ein afrikanisches Thema tagelang von allen Weltmedien, von CNN bis zu Aljazeera, an erster Stelle in der Berichterstattung stand – und zwar nicht als „bad news is good news“ mit Hunger, Bürgerkrieg, Verzweiflung, sondern mit den Themen Entwicklung, Versöhnung, Hoffnung. Alle berichten sie über Nelson Mandela, den großen Revolutionär, den geschickten Politiker, den Weisen, dem jetzt zu seiner Beerdigung so viele Staatsmänner den letzten Respekt gezollt haben.
Allerdings ist dieses Ereignis voller Absurditäten. Dieselben politischen Kräfte und die großen Konzerne (Mercedes an erster Stelle) einiger westlicher Länder, die über Jahrzehnte zu den Unterstützern und Nutznießern des Apartheid Regimes zählten, die Nelson Mandela auf ihrer Terroristen-Liste führten (USA) und die die breite und erfolgreiche Boykottbewegung gegen Waren aus dem Apartheidstaat diffamierten und stattdessen blendende Geschäfte in Südafrika machten; dieselben politischen Kräfte wollen jetzt Nelson Mandela zu einem harmlosen alten Mann, ja Freund des Westens umdeuten.
Nichts könnte falscher sein. Er hat die Apartheid bekämpft – friedlich, wenn es ging, bewaffnet, wenn kein anderer Weg möglich war. Er hat den bewaffneten Arm des ANC gegründet, lokal mit der kommunistischen Partei und global mit dem sozialistischen Lager zusammengearbeitet.
Andererseits hat Slavoj Žižek sicherlich recht, wenn er seine Hommage an Mandela überschreibt: „Hätte Mandela den Kampf wirklich gewonnen, würde er nicht so verehrt von westlichen Politikern“. Er hat aber auch Unrecht, denn was Nelson Mandela nach den 27 Jahren Haft besonders auszeichnete war sein langer Atem, sein strategischer Zeithorizont, gepaart mit taktischem Geschick. Er hat es zusammen mit dem ANC und den kämpfenden Menschen geschafft, die politische Apartheid zu überwinden. Die Überwindung der ökonomischen Apartheid und eine Landreform – im Gegensatz zu einigen Nachbarländern – stehen noch aus. Das dauert länger und erfordert andere Kräfteverhältnisse, an denen gearbeitet wird.
In seiner hier veröffentlichten berühmten Rede in Kuba bedankt sich Nelson Mandela u.a. für die militärische Hilfe Kubas, die durch den Sieg über die Apartheid-Armee in Angola das Ende des Rassistenstaates in Namibia und Südafrika beschleunigte. „Kuba ist revolutionär, internationalistisch und ein Land, das viel für die Menschen in Afrika getan hat.“ Die Republik Südafrika ist eines der BRICS- Länder, die sich gerade durch die Süd-Süd-Vernetzung am eigenen Schopf aus dem vom kapitalistischen Westen verursachten Elend herausziehen.
Auch die Massenkämpfe in Indien und der Teilerfolg Indiens in den WTO-Verhandlungen in Bali deuten auf das veränderte geopolitische Kräfteverhältnis hin. Der indische Theoretiker Pankraj Mischra verfolgt, wie dieses neue Kräfteverhältnis durch die „Revolte gegen den Westen“ in jahrzehntelangen Kämpfen entstanden ist und immer noch gefährdet ist.
Erstaunlich, wie sich der „Zeitgeist“ verändert und zu neuen/alten Verbündeten führt: „Eine andere Welt ist möglich“ hieß die Parole auf dem Weltsozialforum in Porto Alegre I und II, das dort in der katholischen Universitäten durchgeführt wurde. Jetzt bekommt die Kapitalismuskritik erstaunlicher Weise Rückenwind vom „Genossen“ Franziskus, der durch diese Bewegung mit geprägt wurde. Es mag etwas übertrieben sein, wenn der „Spiegel“ über den ersten Rundbrief des neuen Papstes schreibt, man hätte den Eindruck, ein Dokument von ATTAC oder Marx‘s „Kapital“ zu lesen. Aber es zeigt auch, dass wir im politisch-ideologischen Bereich Wind in den Segeln haben. Die Pleite der Klimakonferenz in Warschau, die Hindernisse bei der Energiewende sind jedoch Hinweise darauf, dass erst durch eine starke Mobilisierung tatsächliche Veränderungen erzwungen werden können.
Es wird zur Solidarität mit den Menschen in Marokko aufgerufen, die wegen ihrer Kritik an den Mikrokrediten politisch verfolgt werden. Lucile Daumas von Attac-Marocco spricht von „Mikro-Kredit, Makro-Betrug“. Gerhard Klas analysiert das Versagen dieses Weges am Beispiel der Mikrokredite in Bangladesh.
Für 2014 steht wohl der Kampf gegen die desaströse Austeritätspolitik in der EU (Wettbewerbspakt) und um die Verhinderung der „Wirtschafts-NATO“ (TTIP) auf der Jahresordnung. Schon einmal waren wir ja auf diesem Gebiet erfolgreich ,in der Verhinderung der MAI (multinationales Investitionsabkommen). Es geht also! Weitere Schwerpunkte werden sein: Kampf gegen Rüstungsexporte und für eine atomwaffenfreie Zone in Europa sowie für die „Auflösung von EURATOM“. Beginnen wir mit der Un“Sicherheits“-Konferenz in München!

 

Hier den kompletten Rundbrief mit allen Artikeln als pdf lesen.

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Sand im Getriebe 107

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