Für den Frieden – 66 Jahre Stockholmer Appell

Trotz jahrzehntelanger Bestrebungen zur Abrüstung atomarer Massenvernichtungswaffen wird wieder aufgerüstet in der Welt,- auch nuklear. Die in der Bundesrepublik stationierten US-Atomwaffen werden nicht nur modernisiert, sondern aktuell wird das Atombombensystem B61-12 auch in die deutschen Tornado-Jagdbomber integriert. Das im Atomwaffensperrvertrag verankerte Abrüstungsversprechen der Atomwaffenstaaten wird nicht eingehalten. Die Vereinten Nationen verhandeln zwar aktuell über konkrete juristische Maßnahmen zur Abschaffung der Atomwaffen, allerdings bleiben diese Bemühungen ohne praktische Wirkung da die Atomwaffenstaaten diesen Verhandlungen fernbleiben. Abrüstung, – auch atomar – scheint heute wieder ein Wort vergangener Tage zu sein.

Heute vor 66 Jahren, am 19. März 1950 wurde auf einer internationalen Tagung in Stockholm ein weltweiter Aufruf zur Ächtung der Atomwaffe veröffentlicht. Seine Formulierungen und sein Anliegen speisten sich aus Resolutionen der Vereinten Nationen, Erfahrungen aus Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den USA über atomare Abrüstung und allgemeinen humanistischen Idealen. Über 500 Millionen Menschen weltweit unterzeichneten diesen Appell. Der Text des Stockholmer Appells lautete:

„Wir fordern das absolute Verbot der Atomwaffe als einer Waffe des Schreckens und der Massenvernichtung der Bevölkerung. Wir fordern die Errichtung einer strengen internationalen Kontrolle, um die Durchführung des Verbotes zu sichern. Wir sind der Ansicht, dass die Regierung, die als erste die Atomwaffe gegen irgendein Land benutzt, ein Verbrechen gegen die Menschheit begeht und als Kriegsverbrecher zu behandeln ist. Wir rufen alle Menschen der Welt, die guten Willens sind, auf, diesen Appell zu unterzeichnen.“

Der Appell kam nicht von ungefähr: 1949 war das Militärbündnis NATO gegründet worden und hatte im Januar 1950 sein erstes Strategisches Konzept vorgelegt. Seine atomare Überlegenheit zählte zu seinem Kalkül. US-Präsident Harry S. Truman hatte gerade sein Programm zur Entwicklung der Wasserstoffbombe verkündet. Die Welt hatte schon ihre Erfahrungen mit Atomwaffen: Im August 1945 hatten US-Atombombenangriffe die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki zerstört und zehntausende zivile Opfer gefordert; noch heute sterben Menschen an den Nachwirkungen. Die Atomwaffe war zum Symbol sinnloser Zerstörung alles Lebenden geworden. Deshalb war sie der Hauptbezugspunkt für neue Kriegsgefahren.

Heutzutage ist dieser Aufruf und das damit verbundene Bestreben nach weltweiter atomarer Abrüstung und einer atomwaffenfreien Welt nahezu in den Umdeutungen der Geschichte untergegangen und findet nur noch selten Erwähnung. Angesichts der aktuellen Kriege und Konflikte ist die Erinnerung an historische Ereignisse, wie dieses eines ist, wichtig. Kapitalismus und Krieg waren und sind immer zwei Seiten ein und derselben Medaille, – Kapitalismus ohne Krieg kann es nicht geben, – das lehrt die Geschichte und sie darf sich nicht immer und immer wieder wiederholen.

 

 

postkarte frieden

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: