Niedrige Löhne – gefährliche Arbeit

Beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch vor vier Jahren kamen mehr als 1000 Menschen ums Leben. Der Einsturz des Rana Plaza Gebäudes ist der bisher katastrophalste Fabrikunfall des Landes. Damals war die Welt schockiert und die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der weltweiten Bekleidungsindustrie waren auf einmal Thema in zahlreichen Medien. Die Gebäudesicherheit ist nach wie vor ein großes Problem. Ein Unglück wie bei Rana Plaza kann jeden Tag wieder passieren, aber es ist nicht nur die fehlende Gebäudesicherheit, sondern es sind vor allem die Hungerlöhne, die die Menschen aktuell wieder auf die Straße treiben. Seit Dezember vergangenen Jahres sind zahlreiche Gewerkschafter, Arbeiterinnen und Arbeiter verhaftet und Gewerkschaftsbüros geschlossen worden, weil sie sich an einem friedlichen Streik für eine Verdreifachung der Löhne beteiligt haben. (Petition zur Unterstützung der Streikenden hier.) Außerdem wurde gegen Hunderte Arbeiterinnen und Arbeiter Anzeige erstattet und über 1.500 Menschen aus Fabriken entlassen, die Kleidung für H&M, Inditex (Zara/Bershka), VF (North Face) und Gap produzieren. Die Kritik richtet sich in erster Linie an die großen Modeketten und Handelshäuser in Europa und den USA. Sie lassen in Bangladesch produzieren, zu extrem niedrigen Löhnen und schlechten Sicherheitsvorschriften. 

Heute hat Bangladeschs Textilindustrie mit die niedrigsten Löhne in der Region. Trotz anhaltender Inflation wurden die Löhne seit drei Jahren nicht erhöht. Bangladesch profitiert vom „Everything But Arms“-Handelsabkommen mit der EU (hier ein älterer Beitrag von 2006, – die Kritik ist nach wie vor aktuell) , das Teil des internationalen Zollpräferenz-Systems (GSP bzw. APS) ist und 49 am wenigsten entwickelten Ländern, darunter auch Bangladesch, zollfreien Zugang zum europäischen Markt für alle Güter außer Waffen und Munition garantiert. In diesem Kontext drängt sich die Frage auf, ob diese Zollvergünstigung bei der massiven Verletzung von elementaren Rechten wie den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weiterhin gewährt werden sollten?

Das Unglück von Rana Plaza hat zwar das Bewusstsein der westlichen Welt auf die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Bekleidungsindustrie gelenkt. Doch immer noch sind zahlreiche Unternehmen nicht bereit, für eine transparente und sichere Lieferkette zu sorgen. Und selbst dann stellt sich nach wie vor die Frage: Können Selbstverpflichtungen der Konzerne die Misere beenden oder müssen weltweit wirksame Regeln her? Heute Abend zeigen wir im Rahmen der „Fashion Revolution Week“ den Film „Todschick – Die Schattenseiten der Mode“ (2016). Die Veranstaltung findet im Rahmen der monatlich stattfindenden MittwochsATTACken von attac Leipzig in Kooperation mit der globaLE statt. Los geht’s heute, am Mi. 26.04. um 18 Uhr in der Schaubühne Lindenfels. Wir haben die Filmemacherin und Journalistin Inge Altmeier für die anschließende Diskussion nach Leipzig eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Mehr Informationen u.a. hier in einem Papier der Kampagne für Saubere Kleidung bzw. Clean Clothes Campaign: Four years after Rana Plaza: Steps in the right direction but a lot remains to be done (pdf).

 

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