Bildung ist keine Ware! – Demonstration in Leipzig am 21.06.2017

Vor 18 Jahren, am 19. Juni 1999 wurde in der Aula Magna der Universität Bologna die Bologna-Erklärung (pdf) von den beteiligten Ländern unterzeichnet. Was ursprünglich nach einer guten Idee klang, – die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Bildungsraumes mit vergleichbaren Abschlüssen -, entpuppte sich in der praktischen Umsetzung letztlich als Desaster. Denn die Umsetzung der Bologna-Reform wurde als Selektionsinstrument sowie als Mittel zum neoliberalen Umbau der Hochschulen eingesetzt und war praktisch vor allem ein Sparprogramm zu Lasten der Studierenden.

Heute wird Bildung wie selbstverständlich zu Markte getragen: Rankings, Diversifizierung, Exzellenz, Elite, Schulprofile, Globalbudgets und anderes dienen der Steuerung der längst als Unternehmen gedachten Schulen und Hochschulen. Wirtschaftsvertreter bestimmen die „Hochschulräte“ und private Institutionen entscheiden über die „Marktgängigkeit“ von Studiengängen. Die große Masse der Studierenden wird heutzutage durch ein Kurzstudium geschleust und der Übergang zu einem „wissenschaftlichen“ Master-Abschluss steht nur noch einem Teil der Studierenden offen.

Aus heutiger Sicht kann man sehr klar diagnostizieren, dass die Umsetzung primär von den Interessengruppen bestimmt wurde, die schon seit Jahren einen neoliberalen Umbau der Hochschulen forderten. Dieser Ideologie entsprechend soll der „Wettbewerb“ die Hochschulstrukturen völlig durchdringen. Man kann die Reform dafür allein natürlich nicht verantwortlich machen, aber die Umstrukturierungen die bis heute stattgefunden haben, wurden vor allem nach dem Modell der „marktkonformen Hochschule“ (CHE / Bertelsmann) umgesetzt und diese Ideologie steht dem humboldtschen Bildungsideal diametral entgegen. Unter dem nett klingendem Etikett stärkerer „Autonomisierung“ der Hochschulen wurde letztlich eine Situation geschaffen die Hochschulen durch Wettbewerb um staatliche Gelder in Dienstleistungsunternehmen verwandelt, die ihre „Ware“ Bildung nach kapitalistischen Verwertungsinteressen ausrichten. Wie Konzerne sollen sich auch Hochschulen in Konkurrenz mit anderen Hochschulen auf einem sogenannten Wissenschaftsmarkt behaupten. Heute ist das bereits Realität.

 

Gegen diesen Umbau und die Auswirkungen auf Schulen, Hochschulen und die Gesellschaft insgesamt gab es über die vergangenen fast zwei Jahrzehnte immer wieder mal mehr, mal weniger starke Proteste. In dieser Woche ruft das Bündnis „Lernfabriken meutern!“ in Leipzig zur Demonstration. Die Demonstration beginnt am Mittwoch, 21.06.2017 um 11 Uhr auf dem Augustusplatz. Hier ein Aufruf des Bündnisses zur Beteiligung an der Demonstration:

Bildungsprotest auf die Straße tragen! – Lernfabriken meutern!

Konkurrenz und Ausschluss prägen das ganze Bildungssystem. Getreu dem Motto „höhere Bildung = bessere Chancen“ beginnt schon im Kindergarten der Kampf um die besten Plätze in dieser Gesellschaft. Ständiger Leistungsdruck und Disziplinierung rauben den Spaß am Lernen und unterdrücken die natürliche Neugier. Gelernt wird für die gute Note, denn die verspricht die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Selbstbestimmtes Handeln, politische Teilhabe und kritisches Hinterfragen werden zugunsten braver Angepasstheit an die Erfordernisse der Wirtschaft unterdrückt. In einem solchen System ist es unmöglich Lösungen für so drängende Probleme wie Armut, Wirtschaftskrise, Unterdrückung, Krieg und Klimawandel zu finden.

Deshalb sind wir in Leipzig als Schüler*innen, Studierende, Auszubildende und Lehrende zusammengekommen. Wir wollen gegen das selektive Schulsystem, Bachelor/Master und prekäre Arbeit an den Hochschulen – und für die Ausfinanzierung von Bildung, für soziale Gerechtigkeit und für die konsequente Demokratisierung streiten.

Am 21. Juni wollen wir mit einer großen und bunten Demonstration unser Anliegen auf die Leipziger Straßen tragen. Im Vorfeld haben wir uns mit einer Vielzahl von Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Filmabenden kritisch mit dem Thema Bildung auseinandergesetzt. Wo genau liegen die Missstände im jetzigen System? Was muss sich ändern, damit das Bildungssystem sozial gerecht wird? Welche Perspektiven bietet progressive Bildung einer Gesellschaft? Und wie kann emanzipatorische Bildung aussehen? Kommt vorbei und demonstriert und diskutiert mit uns! (längere Version hier als pdf)

 

Bildung ist keine Ware! – Demonstration am Mittwoch 21.06.2017 um 11 Uhr, Augustusplatz.

 


PS: Im Anschluss später am gleichen Tag um 15:30 Uhr ruft die Leipziger KiTa-Initiative ebenfalls zu einer Demonstration direkt vor dem Neuen Rathaus auf. Kitas sind neben Betreuungs- vor allem auch Bildungseinrichtungen. Deren Ausfinanzierung, ausreichende Anzahl und eine faire Bezahlung von Erzieherinnen imd Erziehern sind absolut notwendig. Das vor einigen Wochen entstandene Bild der 450 anstehenden Familien vor einer Leipziger Kita, die 165 Plätze zu vergeben hat, steht hierbei stellvertretend für die desolaten Zustände in Leipzig.

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