Bundeswehr raus aus Afghanistan

Am gestrigen Dienstag fand wieder ein Abschie­beflug nach Afgha­ni­stan vom Flughafen Leipzig-Halle statt. Mittlerweile ist das der 26. Flug dieser Art in das Land am Hindukusch. Trotz der, nach wie vor unsicheren Situation, werden Menschen seit 2016 nach Afghanistan abgeschoben. In den Gesprächsrunden in Doha oder auch in den Talkrunden im TV ist die Hoff­nung auf Frie­den in Afgha­ni­stan zwar all­ge­gen­wär­tig, die Rea­li­tät aber sieht anders aus, denn Afghanistan ist nach wie vor ein besetztes Land und es herrscht Krieg, der aber hierzulande in der medialen Öffentlichkeit weitestgehend ausgeblendet wird.

Laut Glo­bal Peace Index vom Juni 2019 ist Afghanistan als das derzeit gefähr­lichs­te Land der Welt eingestuft: „[..] Afghanistan is now the least peaceful country in the
world, replacing Syria, which is now the second least peaceful. [..]“ (Quelle: Global Peace Index von 2019, pdf)

Erst diese Woche haben die Vereinten Nationen wieder auf die hohe Zahl ziviler Opfer in Afghanistan aufmerksam gemacht. Allein im ersten Halbjahr 2019 seien demnach 1.366 Menschen getötet und 2.446 verletzt worden, teilte die UN-Unterstützungsmission für Afghanistan (UNAMA) mit. Das sei ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – der allerdings nur darauf zurückzuführen sei, dass aufständische Gruppen 43 Prozent weniger Opfer verursachten. Dagegen sei die Zahl der von den Regierungstruppen und ihrer ausländischen Verbündeten – unter ihnen die deutsche Bundeswehr – getöteten und verwundeten Zivilisten um 31 Prozent angestiegen. (Quelle: UNAMA) Unabhängig davon sei angemerkt, dass langjährige Beobachter des Kriegs in  Afghanistan davon ausgehen, dass so gut wie alle offiziellen Zahlen weit unter den tatsächlichen Opferzahlen liegen. An dieser Stelle sei auch darauf verwiesen das zahlreiche der zivilen Opfer durch den Einsatz von Kampfdrohnen ums Leben kommen, deren Signale zentral über die Satelitenrelaisstation auf der US Air-Base Ramstein in der Pfalz weitergeleitet werden. Die Bundesregierung hat auch an dieser Stelle eine zentrale Mitverantwortung für die steigende Zahl ziviler Opfer. (Broschüre „Stopp Air Base Ramstein – eine Übersicht, pdf)

Anders aber wird das durch die Verantwortlichen in den Regierungen offenbar hierzulande eingeordnet, die seit 2016 Geflüchte nach Afghanistan abschieben. (Hinweise für afgh. Geflüchtete und ihre Berater/innen auf den Seiten von Pro Asyl)

Abschiebungen nach Afghanistan müssen verhindert werden. Statt Abschiebungen in Länder, die seit Jahren von Krieg erschüttert werden und in denen die dorthin Abgeschobenen erheblichen Gefahren ausgesetzt werden, muss an den Ursachen für die unsichere Situation angesetzt werden. Nach 18 Jahren Afghanistan-Einsatz muss man endlich konstatieren: Die US-Besatzungsarmee sowie ihre NATO Verbündeten tragen nicht zur Sicherheit in dem Land bei. Sie sind nicht Teil der Lösung sondern Problem der instabilen Situation im Land. Seit Jahren beliefern US amerikanische Firmen verschiedene Konfliktparteien mit Waffen, – diese Geschäfte werden direkt über die US Militäreinrichtungen in Afghanistan abgewickelt. Die Beendigung des Einsatzes ausländischer Truppen in Afghanistan ist die Voraussetzung für eine positive Entwicklung und für eine politische Lösung des Konfliktes. Daher ist auch der sofortige Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan die Forderung die zentral in Zusammenhang mit den menschenunwürdigen Abschiebungen genannt werden muss.

In dem ganzen Krieg in Afghanistan spielt der Flughafen Leipzig-Halle eine unrühmliche Rolle, denn seit 2006 wird Kriegsgerät und NATO-Soldaten in hohem Maße über den teilprivatisierten Flughafen abgewickelt. Die private Gesellschaft machte lange Zeit einen Großteil des Geschäfts über die militärischen Aufträge. Seit 2016 ist der Flughafen nun nicht mehr „nur“ Militär-Drehscheibe sondern auch Abschiebeflughafen. Einerseits werden Militär- , Waffen und Krieg exportiert, andererseits Geflüchtete aus diesem Land wieder dahin abgeschoben. Und das alles direkt vor unserer Haustür!

Zum Auslandseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan bzw. generell zu den Missionen in Afghanistan hat die Informationsstelle Militarisierung ein Faktenblatt erstellt, – es ist nicht ganz aktuell, da von 2017, aber es gibt einen sehr guten Überblick: (Fact-Sheet Afghanistan – Das Drama in Zahlen, März 2017, pdf).

 

Wir zeigen am Freitag, 2.8. im Rahmen des globaLE Filmfestivals diese Woche Freitag den Film „Das Land der Erleuchteten“ (Afghanistan, BRD, Niederlande, Irland, 2015) von Pieter-Jan De Pue und diskutieren im Anschluss mit Bahadur Rajabi, der 2015 aus Afghanistan in die Bundesrepublik gekommen ist, über die Situation in einem Land in welchem Kinder aufwachsen, die nie eine Zeit in Frieden kennengelernt haben.

Zum Film:

„Immer, wenn ein Afghane einen Bruder tötet, wird ein neuer Stern geboren. Bald wird die Nacht so hell sein wie der Tag… Eines Tages werden wir zusammen in die Nacht reisen und dem Tag sein Licht zurückbringen.“

Der raue, abgelegene Nordosten Afghanistans ist eine Hochgebirgslandschaft mit Gipfeln bis zu 7.500 Metern. Es ist das Grenzgebiet zu Tadschikistan, Pakistan und China. In dieser Region verdienen sich nomadisch lebende Kinderbanden etwas Geld mit den Überbleibseln der vielen Kriege, unter denen ihr Land seit langer Zeit zu leiden hatte. Sie sammeln alle Arten von Metallresten, um sie zu verkaufen. Sie graben Landminen aus, um deren explosiven Inhalt an Kinder weiterzugeben, die in den Lapis Lazuli Minen arbeiten. Andere Kinderbanden leben ihr eigenes, nomadisches Leben und verdienen ihren Lebensunterhalt damit, Karawanen und Schmuggler auf ihrem Weg zur Grenze zu überfallen – oder sie lassen sich dafür bezahlen, ihnen Begleitschutz zu gewähren. Die Währung ist Opium.
Immer wieder hängen die Kinder ihren Träumen nach, in denen die amerikanischen Besatzer ein für allemal das Land verlassen.

Der Film entstand über einen Zeitraum von 7 Jahren. Nahtlos verschmilzt in dem Film die dokumentarische Beobachtung mit der fiktionalen Erzählung – die harsche Realität, die den Alltag der Kinder prägt, mit ihren Wünschen, Träumen und Hoffnungen. Der Regisseur erschafft eine hybride Erzählform, in der er immer wieder die Grenzen des dokumentarischen Genres auslotet und erschafft einen bildgewaltigen Film von magischer Intensität.

 

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